Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. Dezember 2010
Ein vollwertiger Van mit sieben Sitzplätzen, 141 PS und jeder Menge Variabilität für unter 19.000 Euro? Eine Kampfansage an VW, Ford, Mazda und Opel – aus dem Hause Chevrolet.

Der Chevrolet Spark hat in diesem Jahr nicht nur durch sprachlich anspruchsvolle Werbeslogans von sich reden gemacht. Mit mutigem Design und günstigen Preisen avancierte der kleine Spark zum Liebling der Preiswert-Minis. Jetzt legen die Amerikaner mit koreanischen Fahrzeuggenen am oberen Ende der Modellpalette nach. Im Frühjahr 2011 kommt der überarbeitete Mittelklasse-SUV Chevrolet Captiva, schmucker und stärker als zuvor. Doch ab März werden zunächst die Familien vom neuen Orlando überrascht. Der Siebensitzer überzeugt wie schon die anderen Chevrolet-Modelle der aktuellen Generation mit sehenswertem Outfit und allerhand praktischen Qualitäten. Besonders die günstigen Modelle dürften familienreiche Kunden locken – ab 18.990 Euro.

Einen mobilen Sitzplatz zum günstigen Kaufpreis von 2.700 Euro bietet derzeit kein anderer Siebensitzer-Van auf dem deutschen Markt. Wer die beiden Notsitze in der dritten Reihe mit ihrem allzu kletterhaften Einstieg nicht braucht, verstaut sie mit zwei Handgriffen im ebenen Boden. Dann steht ein Kofferraum mit 454 Litern Stauraum zur Verfügung. Wer alle Sitzreihen umlegt, kann knapp 1.500 Liter nutzen. Wenn es auf dem Weg nach Hause doch einmal zwei Kinder mehr sein sollten, einfach wieder die Sitze rausgezogen und es kann zu siebt weitergehen. Der 4,65 Meter lange Van macht optisch auf Crossover mit rustikalen SUV-Genen. Ein Allradantrieb würde dem Orlando zumindest als Option gut zu Gesicht stehen. Die verlängerte Plattform von Chevrolet Cruze und Opel Astra gäbe es sogar her. Doch wer im Hause Chevrolet einen 4x4-Antrieb möchte, muss beim Captiva bleiben oder auf trutzburgartige Pick Ups und Geländewagen auf dem US-Markt setzen. Von ihnen hat sich der Orlando das Design mit wuchtiger Motorhaube und kraftvoll ausgestellten Radhäusern geliehen. Die vier Türen nebst Heckklappe öffnen weit. Das macht den Siebensitzer, der von der GM-Tochter Daewoo in Korea gebaut wird, praktisch.

Gerade im Innenraum kann der Orlando punkten. Die Sitze sind bequem, die Ablagen zahlreich und die Materialanmutung standesgemäß. Das Cockpit ist nicht nur durch die nach oben schwenkbare Bedieneinheit auf der Mittelkonsole einfallsreich. Allein die Oberflächen könnten wertiger sein. Aber nicht vergessen – unter 20.000 Euro ist die Luft gerade in der Van-Liga dünn. Daher bitte keine Wunder erwarten und sich über die übersichtlichen Bedienelemente und gut ablesbare Anzeigen freuen. Die enge Verwandtschaft zu verschiedenen Opel-Modellen ist offensichtlich und alles andere als schädlich.

Auch bei den Motoren ist Chevrolet mittlerweile in der Gegenwart angekommen. Der 141 PS starke Basisbenziner ohne Beigaben wie variablen Ventiltrieb oder gar eine Turboaufladung ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber eben eine günstige Einstiegsvariante. Deutlich interessanter sind die beiden Commonrail-Diesel, die sich Chevrolet von Zulieferer VM besorgt hat. Die Basisversion mit 96 KW / 131 Diesel-PS sollte insbesondere preisbewusste Flottenkunden locken. Deutlich besser schlägt sich der größere der beiden Zweiliter-Diesel mit 120 KW / 163 PS und 360 Nm maximalem Drehmoment. Damit wird der Chevy-Van zwar nicht zum Renntier, ist aber ordentlich motorisiert. VM, sonst kaum für besonders laufruhige Diesel bekannt, hat hier im Rahmen der Euro5-Programme nachgearbeitet und dem Selbstzünder eine größere Laufruhe verabreicht. Gerade in Verbindung mit der optionalen Sechsgang-Automatik wird der Chevrolet Orlando zu einem angenehmen Reisemobil mit Durchzug von unten und standesgemäßen Fahrleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit: schmächtige 195 km/h. Der Normverbrauch liegt zwischen sechs und sieben Litern Diesel auf 100 Kilometern.

Die Lenkung ist präzise, doch die Wandlerautomatik schluckt einiges von der Elastizität des drehmomentstarken Orlando-Diesels. Die straffe Fahrwerksabstimmung der Vorserienmodelle überrascht hingegen nicht nur positiv. Gerade auf der Hinterachse dürfte sich der Van komfortabler präsentieren und weniger poltern. Allzu großer Sportlichkeit passt in dieser Klasse nicht. Doch der Preis lässt den ein oder anderen Makel des guten Gesamtauftritts vergessen. Der 141 PS starke Basisbenziner ist für 18.990 Euro dabei ein fiktives Lockangebot. Niemand möchte heute mehr ohne Klimaanlage und eine vernünftige Serienausstattung unterwegs sein. Die Konkurrenz von Mazda 5, Renault Grand Scenic oder Opel Zafira startet jedoch erst bei über 21.000 Euro. Insbesondere der mindestens 22.390 Euro teure Orlando-Basisdiesel mit 131 PS ist ein sehr günstiges Angebot für einen Siebensitzer mit diesem Platzangebot. So sollten sich 5.000 Fahrzeuge im ersten Produktionsjahr verkaufen lassen – Tendenz steigend.
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Quelle: press-inform, 2010-12-09

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