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Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. August 2015
Die Mercedes S-Klasse kann sich Ende Oktober warm anziehen. Ab sofort setzt der neue 7er BMW das Maß der automobilen Dinge. Mehr luxuriöse Fahrdynamik bietet aktuell kein anderer.

"Einigen unserer Kunden fehlte bisher der gewisse Schuss an exklusivem Luxus", räumt Paul R. Simon, Verkaufsleiter von BMW of Manhattan ein, "doch das ist mit dem neuen Modell vorbei. Hier sind wir ab sofort in einer neuen Liga." Paul R. Simon weiß, wovon er redet. Seit Jahren verantwortet der sportliche Amerikaner die Verkäufe von BMW of Manhattan in Wurfweite des Hudson River. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die BMW-Niederlassung mit der Adresse 555 West 57th Street nach dem Umbau fertiggestellt. "140 Closed Room Events hat es seit dem Frühjahr vorab in den USA für potenzielle Kunden gegeben", sagt Trudy Hardy, verantwortlich für das US-Marketing von BMW, "ich war im ganzen Land unterwegs. Die Nachfrage war so riesig wie noch nie. Wir wollten einfach zeigen, was der neue 7er kann." Von den rund 6.500 Eingeladenen bestellten allein in den USA vorab mehr als 1.000 das neue Bavaria-Flaggschiff.

Dabei muss der ein oder andere Kunde zweimal hinschauen, ob es sich bei der Luxuslimousine aus Dingolfing wirklich um ein neues Auto oder eine sehr gründliche Modellpflege handelt. Das räumt auch Paul R. Simon ein: "Das meiste hat sich tatsächlich im Innenraum getan. Wer in den Wagen einsteigt, ist begeistert." Hier fallen neue Bedienelemente, Touch-Oberflächen, weiches Leder und edle Holzleisten ins Auge. Dabei ist der 7er BMW der Generation 2016 in vielen Punkten anders als der Hauptkonkurrent Mercedes S-Klasse, den man unbedingt einholen will. Wo sich die S-Klasse edel, gediegen und einen Hauch barock präsentiert, setzen die Bayern vor allem auf Technologie, die sichtbar Luxus auf mehr erlebbare Technologie. Die Vordersitze mit ihren zahllosen Massageprogrammen sind aktuell das Maß der Dinge. Besser kann man in einem Auto nicht sitzen. Dazu die perfekte Bedienung, die neben Sprache, Controller und dem zentralen Touchbildschirm nunmehr auch eine Gestensteuerung bietet. In Sachen Vernetzung, Sicherheits- und Assistenzsysteme legt das bayrische Topmodell nochmals und für die Konkurrenz überaus schmerzhaft nach. Mit dem Displayschlüssel lässt sich der 5,24 Meter lange BMW 750 Li xDrive auf Knopfdruck sogar einparken, ohne im Auto zu sitzen.

Hölzer, Keramik, Leder und Alcantara verschmelzen zu einer gediegenen Einheit wobei BMW zum Glück darauf verzichtete, die in der Fahrgastzelle verbauten Karbonmaterialien wie bei i3 und i8 sichtbar zu machen. "Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat der neue 7er 130 Kilogramm abgespeckt", sagt Vertriebsvorstand Ian Robertson, "so leicht ist in dieser Klasse kein anderes Auto." Bei der Fahrdynamik ist das mehr als ein Klassensprung. Trotz 14 Zentimeter mehr wedelt die Langversion des 750ers um die Ecken. Allradlenkung und Allradantrieb tun ihr übriges, damit der neue 7er BMW der Konkurrenz mit Mercedes S-Klasse, Audi A8 und zumindest hier in den USA auch dem Lexus LS die LED-Rücklichter zeigt. "Wer hier in New York einen 7er BMW fährt, entscheidet sich aktiv gegen eine S-Klasse oder einen Lexus", unterstreicht Paul R. Simon, "die meisten der Kunden sind vorher einmal S-Klasse gefahren und wollen mehr Dynamik am Steuer und ein Designstatement setzen." Daher gibt es erstmals zwei unterschiedliche Varianten: den normalen Siebener und ein betont eigenständiges M-Sportpaket, dem man durchaus ein paar imageträchtige Zusatzpferde hätte spendieren dürfen.

Den BMW-Verantwortlichen ist es jedoch wichtiger denn je, dass man auch in der zweite Reihe zur neuen Nummer eins wird. Hier hat der 7er speziell in der Langversion mächtig zugelegt und bietet mit einem Bedien-Touchpad sowie zwei großen Einzelbildschirmen - allerdings ohne Touch Funktion - ein bisher unbekanntes Angebot. Der Reisekomfort und das geringe Geräuschniveau sind beeindruckend. Doch könnten die belederten Einzelsitze gerade im Vergleich zur etablierten Mercedes S-Klasse noch weicher und auch ein paar Zentimeter tiefer sein. Auf Knopfdruck lassen sich beim 750er die Jalousien rundum schließen, das Sky Lounge Panoramadach mit LED-Illuminierung öffnen und der Sitz nebst Ganzkörpermassage in die Liegeposition Fahren. Im 515 Liter großen Laderaum schlummert zeitgleich das Gepäck.

Während der Fondpassagier den Reisekomfort genießt, schnalzt der Fahrer am griffigen Steuer des 1,9-Tonnen-Modells ob der Fahrdynamik mit der Zunge, wedelt mit der präzisen Lenkung durch enge Gassen und lässt den 330 kW / 450 PS des doppelt aufgeladenen Achtzylinders je nach Verkehrslage ihren freien Lauf. Perfekt - die Abstufung von Motorleistung und der achtstufigen Getriebeautomatik. Über einen Adaptiv-Modus lässt sich das Luftfederfahrwerk für alle Eventualitäten einstellen. 0 auf Tempo 100 schafft der Bayern-Allradler Dank 650 Nm maximalem Drehmoment in 4,5 Sekunden während die Höchstgeschwindigkeit wie bisher bei 250 km/h abgeriegelt wird. Während die Kurz-Version mit Hinterradantrieb 7,9 Liter Super verbraucht, liegt der Allradler mit langem Radstand bei 8,3 Litern. Basispreis für das weltweite Volumenmodell BMW 750 Li xDrive sind 112.700 Euro. Mit standesgemäßer Zusatzausstattung werden das schnell 130.000 Euro und mehr. In Europa dürften sich die meisten Kunden für den Basisdiesel BMW 730d mit seinem 265 PS starken Sechszylinder ab 81.900 Euro entscheiden, der sparsame Vierzylinder Dank eines Normverbrauches von 4,5 Litern Diesel ad absurdum führt.

Mit dem neuen 7er baut BMW nunmehr erstmals die beste Luxuslimousine der Welt. Doch um die übermächtige Mercedes S-Klasse auch bei den Verkaufszahlen vom Thron zu stoßen, werden zwei Radstände kaum ausreichen. Hier bieten die Stuttgarter vier Limousinenradstände sowie S-Klasse Coupé und S-Klasse Cabrio. Hier heißt es für BMW nachzulegen. Die Bayern enthalten ihren Kunden sogar weiterhin die M-Sportversion vor.
Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Achtzylinder mit doppelter Turboaufladung
Hubraum:4398
Drehmoment:650 Nm bei 1800 UPM
Preis
Neupreis: 121600 € (Stand: 2015-08-28)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2015-08-27

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