Testbericht

Wolfgang Gomoll, 18. August 2014
Zehn Jahre Beetle Sunshine Tour heißt eine Dekade Beetle, Sonne und gute Laune am Travemünder Strand. Neben Live-Musik und Grillwürstchen gibt es jede Menge kunstvoll aufgepeppte VW-Käfer zu sehen.

Der traditionelle Autokorso rings um Travemünde gehört zu den Höhepunkten der Beetle-Sunshine-Tour im Norden Deutschlands. Schließlich treffen sich die Fans der modernen Volkswagen-Kugel zum zehnten Mal, um ihren Enthusiasmus zu frönen. Auch wenn beim Jubiläum zumeist norddeutsches Schietwetter herrscht, lassen sich die Fans die Fahrt in Ihren Lieblingen nicht verübeln. Mit bekannten Ritualen: Seit Jahren gehört es zum guten Ton der Beetle-Fahrer, sich gebührend zu begrüßen: Sobald ein runder VW auftaucht, wird gehupt und gewunken. Auch am Straßenrand fliegen die Hände. Lachende Gesichter, wo hin man hinsieht. Die Fanfaren-Sinfonie dauert den ganzen Nachmittag an. Die rollenden Käfer sind jedes Jahr gerne gesehene Gäste. Dieser Meinung schließt sich auch Petrus an: Kaum sind die rund 470 Vehikel auf der Wiese direkt am Strand von Travemünde angekommen, bricht die Sonne durch die Wolken.

Die meisten Beetle stammen aus der modernen Baureihe, aber auch einige klassische Käfer sind an die Ostsee gekommen. Dort feiern die Fans sich und ihre Autos selbst. Ein Beetle-Cabrio in rot-beiger Lackierung inklusive Lederkoffer auf dem Kofferraum erinnert an die zwanziger Jahre. Ein anderer trägt Teufelshörner und ist - natürlich - rot lackiert. Selbstverständlich darf auch die Tiefer-breiter-schneller-Fraktion nicht fehlen. Die Beetle-Gemeinde ist international: Schweden aus Göteborg sind da, Belgier, Italiener, Tschechen. Der Preis für den ausgefallensten Käfer bleibt allerdings in Deutschland. Erick Sigel, ein Karosserie- und Fahrzeugbauer bei Audi, hat aus dem 1,9-TDI-Käfer Baujahr 2005 einen lässigen Pick-up-Truck geschaffen. Inklusive Eriba-Wohnwagen, versteht sich. "Ich habe da mehr als 1.000 Stunden investiert", erzählt der stolze Gewinner. Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Ladeaufbau besteht aus edlem Teak Holz und das silberglänzende mächtige Auspuffrohr ragt wie beim amerikanischen Original direkt hinter der Fahrgastzelle senkrecht nach oben. "Im Winter raucht es da richtig schön raus, wie bei einer Dampfmaschine", erzählt der 49jährige. Alle Umbauten sind vom TÜV genehmigt und abgenommen. Auf die Frage, warum es gerade der Beetle sein musste, hat Sigel eine einfache Antwort: "Nur mit einem Beetle konnte man so etwas machen. Er vereinigt Retro mit Moderne."

Herbie, der tolle Käfer inklusive klassischer weißer Lackierung mit der rotweißblauen Renn-Trikolore ist natürlich auch dabei. Wie im Film prangt die Startnummer 53 auf der Karosserie. Ein Beetle mit rosa Plüsch auf der Motorhaube erregt genauso viel Aufmerksamkeit, wie die Sonnenblumen-Variante ein paar Meter weiter. Natürlich stört es da nicht, dass zwei weibliche Flower-Power-Mädels aus dem Auto winken. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Frauenquote auf dem Treffen relativ hoch. "Hier finden sich viele Familien", erzählt die Organisatorin des Treffens Gabriele Kraft. Ein Pärchen kam zusammen, weil die Frau unbedingt die Startnummer eines männlichen Fahrers wollte. Als die beiden sich dann endlich in Travemünde persönlich getroffen haben, hat es sofort "Klick" gemacht.

Der geflügelte Ausspruch bei der Startnummern-Ausgabe lautet also nicht zu Unrecht: "Bist Du alleine? Das könnte sich ändern!" Bei einigen Teilnehmern ist viel Herzblut dabei. Martha Schwarz, die letztes Jahr für ihren fahrbaren Untersatz einen riesigen "Käfer-Pulli" strickte, hat ihren Liebling diesmal mit giftgrünen Applikationen verziert, auf denen sich die Silhouette des Autos befindet. "Entweder mag man Mini oder man fährt Beetle", erklärt die 35jährige resolut. Angefangen habe alles mit einem Golf-1-Cabrio. Als dann der Autowechsel anstand, hat Martha sich lange mit dem Neuwagen beschäftigt. "Ich bin fast in jedem Cabrio gesessen, das es gab. Letztendlich ist es dann der Beetle geworden", erzählt die Frau mit den Beetle-Chucks. Die Vielfalt der Autos entspricht der der Fahrer. Hip Hop dröhnt aus Lautsprechern. Ein paar Meter weiter trällert Helene Fischer "Atemlos". Verkehrt herum aufgesetzte Baseballkappen sind ebenso zu sehen, wie Louis-Vuitton-Taschen und Piloten-Sonnenbrillen.

Gabriele Kraft ist mit ganzem Einsatz dabei. "Angefangen hat es mit 60 Beetle", erinnert sie sich. Selbst das war im hohen Norden schon viel. "Einige meiner Freunde haben mich für verrückt erklärt", lacht sie heute. Ganz wichtig sei die familiäre Atmosphäre. Die spürt man auf jedem Meter, den man über das Gras schlendert. Wo andere mit Pferdestärken protzen, sitzen hier die Fans mit Camping-Stühlen vor ihren rollenden Schätzen. Gabriele Kraft freut sich jedes Jahr auf das Stelldichein der Beetle-Gemeinde. "Viele kündigen am Donnerstag über Facebook an, dass sie gleich losfahren. Da habe ich sogar manchmal Tränen in den Augen", erzählt die Organisatorin. Diese Leidenschaft verbindet sie wohl mit so manchem Teilnehmer. "Es soll hier Frauen geben, denen ist ihr Auto wichtiger ist, als der Ehemann", sagt sie. Für Gabriele steht indes fest: einmal Beetle, immer Beetle. Aktuell fährt sie bereits den vierten. Obwohl die Norddeutsche ein Cabrio-Fan ist, steht das nächste Wunsch-Auto ebenfalls auf dem Rasen des Travemünder Brügmanngartens. Es ist der Beetle Dune. Da kann sich die Beetle-Anhängerin freuen: Es wird eine Cross-Version ihres Lieblingsautos geben.
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Quelle: press-inform, 2014-08-18

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