Testbericht

11. Mai 2009
Modena (Italien), 11. Mai 2009 - Schon wieder schießen drei Radfahrer bergab um die Ecke, geraten auf der engen Straße beinahe auf die Gegenspur - auf unsere Spur. Wir düsen durch die Hügel der Emilia-Romagna, um einen Maserati zu testen. Den GranTurismo S gibt es jetzt auch mit einer Sechsgang-Automatik, der wir gründlich auf den Zahn fühlen. Aber wir müssen mit unserem 440-PS-Wagen aufpassen, überall lauern diese Radfahrer.

Eleganz zählt Egal aus welcher Richtung wir ihn optisch auf uns wirken lassen: Der GranTurismo S ist elegant. Pininfarina hat seine sanft geschwungenen Linien gezeichnet und ein Coupé hinbekommen, an welchem wir uns kaum sattsehen können. Die Automatik-Version unterscheidet sich äußerlich von ihrem mit einem automatisierten Schaltgetriebe beschalteten Modellgeschwister durch anders designte 20-Zoll-Felgen und einen leicht geänderten Seitenschweller.

Repräsentative Einrichtung Schickes Holz und helles Leder erwarten uns, als wir hinter dem Steuer Platz nehmen. Die Maserati-Lenkräder gehören zu den am besten in der Hand Liegenden am Fahrzeugmarkt, nur die dicken Steuerräder der BMW-M-Modelle fassen sich ähnlich gut an. Die Sitze sind auch auf langen Strecken bequem, wobei der Seitenhalt ruhig noch schärfer sein könnte. Gewöhnungsbedürftig: Gas- und Bremspedal liegen sehr dicht beieinander und die Griffe zum Öffnen der Türen sind weit nach hinten versetzt. Die Sitze der ersten Reihe lassen sich per Easy-Entry-System elektrisch nach vorne verschieben, um den Einstieg in den Fond frei zu geben. Die hinteren Plätze erreichen wir halbwegs bequem und die Beinfreiheit dort geht in Ordnung, wenn die vorne Sitzenden sich ein bisschen beschränken. Nur die Kopffreiheit im Fond ist nichts für Leute über 1,80 Meter.

Schnelligkeit mit Spiel Das Lenkrad des GranTurismo fasst sich nicht nur gut an. Beim Kurven durch die grünen Hügel können wir präzise und ohne Spiel die Richtung vorgeben. Auf der Autobahn überrascht das Steuersystem dann mit einer Eigenheit: Ab 130 km/h müssen wir mit einem zittrigen Lenkspiel in der Mittellage leben - ein komisches Gefühl. Die innen belüfteten Scheibenbremsen rundum greifen nicht übermäßig giftig zu, zerreiben aber den Vortrieb im Bedarfsfall gleichmäßig mit ausreichendem Biss zu Wärme.

Genügend Härte Während der GranTurismo mit Handschalter in Transaxle-Bauweise ausgeführt ist, also der Motor vorne und das Getriebe hinten platziert sind, wird die Automatik direkt an den Motor angeflanscht. Haben wir es nun mit einem kopflastigen Nasenbären zu tun? Der Handschalter ist mit einer Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent zwischen vorne und hinten unterwegs, wobei die leichte Heckbetonung bei einem sportlichen Wagen gewollt ist. Der GranTurismo mit Automatik kann ähnlich punkten: Immerhin liegen hier immer noch 49 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse, 51 Prozent verbleiben für hinten. Beim Kurvenwedeln zahlt sich das aus: Stabil und ohne Ausbrech-Gefahr ziehen wir unsere Bahnen, schlängeln uns an Radfahrern und sich breit machenden Gegenverkehr-Lkws vorbei. Drücken wir die Sport-Taste rechts neben dem Lenkrad, verhärten sich die Dämpfer durch das Schließen von Ventilen in den Dämpfer-Leitungen, was den Wagen noch unanfälliger gegen Wanken oder Aufschaukeln macht.

Typisch Maserati Rote Zylinderköpfe und in der Mitte ein schwarzer Ansaug-Muskel: So präsentiert sich der 4,7-Liter-V8 beim Blick unter die Haube des GranTurismo. 440 PS liegen bei 7.000 U/min an, die 490 Newtonmeter maximales Drehmoment stehen bei 4.750 U/min zur Verfügung. Damit geht's in 5,0 Sekunden von Null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 295 km/h erreicht. Zum Vergleich: Ist der Wagen mit dem automatisierten Schaltgetriebe unterwegs, braucht er für den Prestige-Sprint 4,9 Sekunden - also erträgliche 0,1 Sekunden weniger. Den Verbrauch geben die Italiener mit 15,2 Liter auf 100 Kilometer an - 1,4 Liter weniger als in der Version mit automatisierter Schaltung. Den Normalbetrieb erledigt das Antriebs-Aggregat leise und ohne V8-Blubbern. Auch hier hat die Sport-Taste Einfluss: Nach Betätigung sorgt sie für das Öffnen eines Bypass-Stranges in der Abgasanlage, was ab 3.000 U/min zu einem deutlich kräftigeren Sound führt - wieder ohne Blubbern, sondern Maserati-typisch rau. Dies macht bei wechselnden Geschwindigkeiten Spaß, kann bei konstant 140 km/h aber auch nerven.

Sechs abgestimmte Gänge Wir geben Gas und müssen eine Gedenksekunde verstreichen lassen, dann zieht der Wagen unerbittlich los. Gibt er im Normalzustand den ruhigen Überland-Cruiser, tankt er sich jetzt auf kurzen Wegen an allem vorbei, was er überholen möchte. Dabei leiden wir weder unter Schaltrucklern noch unter der Suche nach dem richtigen Gang, wie es so manche Automatik gerne an Steigungen macht. Und auch hier hat ein Druck auf den Sport-Knopf Auswirkungen: Beim Hochschalten werden die Gänge spürbar weiter ausgedreht - aber auch hier müssen wir mit der Spurt-Gedenksekunde leben. Wer selbst Hand anlegen möchte, erteilt dem ZF-Getriebe per Lenkrad-Schaltwippen Befehle. Allerdings schlagen die Paddles mit 240 Euro Aufpreis zu Buche. Für glatte Straßen ist ein ebenfalls per Knopfdruck aktivierbarer "Ice Mode" vorgesehen. Hier werden die Gänge immer zwischen 3.000 und 4.000 U/min geschaltet, um eine bestmögliche Traktion zu gewährleisten.
Technische Daten
Antrieb:Heckantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Ottomotor
Hubraum:4.691
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:323 kW (440 PS) bei UPM
Drehmoment:490 Nm bei 4.750 UPM
Preis
Neupreis: 121.240 € (Stand: Mai 2009)
Fazit
Der Maserati GranTurismo S mit Sechsgang-Automatik ist ein 440-PS-Cruiser. Gerade die Ausstattung mit einer automatischen Schaltung macht ihn noch komfortabler. Wer athletisch unterwegs sein möchte, sollte den Sport-Modus aktivieren - dann wird der elegante Wagen zum manierlichen Heizer.<br/><br/>Die Automatik ist perfekt sowohl auf den Cruising-Zustand als auch aufs Hochgeschwindigkeits-Fahren abgestimmt. Gegenüber seinem Pendant mit automatisiertem Schaltgetriebe punktet die Automatik-Variante mit einem günstigeren Einstiegspreis und spürbar abgesenktem Verbrauch.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-05-11

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