Testbericht

2. Juli 2005
Barcelona, 29. April 2005 – Mit der B-Klasse-Baureihe will die Sternmarke eine neue Fahrzeugkategorie einführen: die Sports Tourer. Zu diesen soll neben dem Compact Sports Tourer, vulgo B-Klasse, ab Anfang 2006 auch der Grand Sports Tourer gehören, also die R-Klasse. Aber verbirgt sich hinter der neuen Bezeichnung wirklich ein neuer Fahrzeugtyp? Wir gingen dieser Frage in unserem Test der B-Klasse nach und haben das Auto in den beiden Topversionen B 200 Turbo und B 200 CDI für Sie gefahren. 43 Zentimeter länger als die A-Klasse Die B-Klasse gibt es mit sechs verschiedenen Vierzylindermotoren – vier Benzinern und zwei Dieseln. Das Einstiegsmodell ist der B 150 mit 95 PS. Darüber hinaus werden der B 170, der B 200 und der B 200 Turbo angeboten. Bei den Dieseln hat man die Wahl zwischen dem 180 CDI und dem 200 CDI. Im Wesentlichen sind dies dieselben Motoren wie in der A-Klasse. Dort gibt es jedoch noch einen 160 CDI mit 82 PS, dafür aber noch keinen 200 Turbo – letzterer kommt erst im Sommer 2005 auf den Markt. Sowohl die A- als auch die B-Klasse werden über die Vorderachse angetrieben. Während es die 3,84 Meter lange A-Klasse als Drei- und Fünftürer gibt, ist die 43 Zentimeter längere B-Klasse ausschließlich als Fünftürer erhältlich. B 200 CDI: Stürmischer Cruiser Der Topdiesel 200 CDI holt 140 PS aus seinen zwei Litern Hubraum. Damit beschleunigt die B-Klasse in sportlichen 9,6 Sekunden auf Tempo 100. Vielleicht noch beeindruckender ist das Drehmoment von 300 Newtonmetern, das bereits bei 1.600 U/min ansteht und bis 3.000 Touren konstant bleibt. Damit lässt sich der Aufstieg aus dem Drehzahlkeller schwungvoll absolvieren – man nimmt sozusagen auf dem Weg nach oben immer zwei Treppenstufen auf einmal. Dabei ist der Diesel sogar noch umweltfreundlich: Er erfüllt die strenge Euro-4-Norm, und gegen einen Aufpreis von 545 Euro gibt es einen Partikelfilter. Letzterer ist ab Sommer 2005 serienmäßig in allen Dieselmotoren von Mercedes – dann steigt aber auch der Fahrzeugpreis dementsprechend. Der Spritverbrauch des starken Diesels liegt laut Hersteller bei 5,4 Litern.

B 200 Turbo: Spurtlustiger Draufgänger Einen anderen Charakter hat die sportlichste Motorisierung in der B-Klasse, der 200 Turbo. Wenn die B-Klasse ein Compact Sports Tourer ist, so liegt hier die Betonung nicht wie beim Diesel auf Tourer, sondern auf Sports. Der zwei Liter große Turbobenziner leistet 193 PS ­– das sind sage und schreibe 57 PS mehr als bei der Version ohne Turbolader. Entsprechend sind die Fahrleistungen: Das Auto rast aus dem Stand in 7,6 Sekunden auf 100 km/h. Während der Spurt mit Turbo rund zweieinhalb Sekunden schneller geht als ohne, braucht das Auto mit 7,9 Litern nur 0,7 Liter mehr Sprit auf 100 Kilometer als die turbolose Version. Von wegen Sprit fressende Turbomotoren! Auffallend gute Lenkung Beide von uns gefahrenen Aggregate werden serienmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgeliefert, das keinerlei Beanstandung verdient. Die Lenkung fällt durch ihre Leichtgängigkeit und Direktheit auf – hier lässt sich der dynamische Anspruch der B-Klasse spüren. Das Fahrwerk dagegen glänzt nicht durch besondere Sportlichkeit. Es ist zwar eher straff als komfortabel ausgelegt, aber in schnell gefahrenen, engen Kurven neigt sich die B-Klasse dann doch etwas mehr nach außen als eine Limousine. Schöner Innenraum Der Innenraum macht einen guten Eindruck. Das Armaturenbrett mit seinen hinterschäumten Materialien wirkt hochwertig. Die Instrumente gefallen ebenfalls. Gutes gibt es auch in Bezug auf die Sitze zu sagen. Für ein Reiseauto bieten sie ausreichend Seitenhalt; allerdings ist die Beinauflagefläche etwas kurz. Die Kopfstützen lassen sich genügend weit herausziehen, um mittelgroßen Insassen eine optimale Einstellung zu ermöglichen. Auch Ablagen sind im Bereich der Vordersitze in genügender Zahl vorhanden.

Viel Platz für Passagiere im Fond Dasselbe gilt für den Fond. Auch hier lassen sich die Kopfstützen weit herausziehen – ein seltener Vorzug in dieser Klasse. Der Sitzkomfort hinten ist überragend: Sowohl über dem Kopf als auch vor den Knien haben mittelgroße Passagiere mehr als genug Platz. Ebene Ladefläche Der Kofferraum fasst in Normalkonfiguration bei Beladung bis zur Fensterlinie 544 Liter. Hierin eingeschlossen ist das Volumen der Mulde, die sich unter einer Klappe am Kofferraumboden verbirgt. Um mehr Gepäck zu befördern, müssen zunächst die Kopfstützen in der Fondlehne versenkt werden. Dann werden die Sitzpolster – wie bei einer normalen Limousine – nach vorn in die Senkrechte gekippt und die Lehnen nach vorne geklappt. Die Klappe am Kofferraumboden lässt sich in zwei Positionen bringen. In der oberen Position sorgt sie für eine völlig ebene Ladefläche. Wer will, kann dann auch noch die Sitzpolster ausbauen. Sie passen in den Laderaum unter der Klappe. Mehr Kofferraum als beim Golf Plus Bei dachhoher Beladung kann man so 1.530 Liter unterbringen. Damit sind die Kofferraumdaten besser als beim Golf Plus: Der schluckt nur bis zu 1.370 Liter. Praktisch bei der B-Klasse außerdem: Für den Einkauf beim Baumarkt lässt sich die Lehne des Beifahrersitzes serienmäßig umklappen. Danach kann man bis zu 2,95 Meter lange Gegenstände in das Auto schieben. Easy-Vario-System für 2.245 Liter Gepäckraum Wem der serienmäßige Laderaum noch nicht reicht, der kann für 290 Euro Aufpreis das so genannte Easy-Vario-System bestellen. Dann lassen sich zusätzlich noch die Sitzlehnen im Fond ausbauen. Sie passen allerdings nicht in den Innenraum, sondern müssen in der Garage oder der Wohnung zwischengelagert werden. Zusätzlich lässt sich noch der Beifahrersitz herausnehmen.

Schwere Sitzteile Diese Sitzteile auszubauen, ist aufgrund ihres Gewichts nicht eben einfach. Zudem muss man die elektrischen Kabel lösen, die vorne für die Sitzbelegungserkennung und hinten für den Gurtwarner benötigt werden – eine etwas fummelige Aufgabe. Ist alles ausgebaut, kommt man mit der B-Klasse auf ein Gepäckvolumen von nicht weniger als 2.245 Liter. Dabei ist der Raum neben dem Fahrer bis zur Fensterlinie mitberücksichtigt. Minivan mit aufpreispflichtiger Variabilität Das Sitzsystem ist von der A-Klasse her bekannt. Erst durch das Easy-Vario-System wird es so variabel, wie man es von anderen Minivans kennt. Denn zu dieser Gruppe gehört die B-Klasse – als besonders hohes Auto von der ungefähren Größe eines VW Golf. Deutlich teurer als VW Golf Plus Anders als bisher bei Mercedes üblich gibt es bei der B-Klasse nur eine einzige Ausstattung. Individualisierungsmöglichkeiten bieten Pakete und die umfangreiche Extraliste. Der Einstieg in die neue Baureihe kostet 21.808 Euro. Zum Vergleich: Den VW Golf Plus gibt es ab 16.740 Euro, allerdings mit nur 75 statt 95 PS. Ausstattung besser als bei VW Und wie verhält es sich bei der Ausstattung? Zur Serie gehören bei Mercedes vier Airbags, ESP, Klimaanlage, Multifunktionslenkrad, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber vorne und Zentralverriegelung. Beim Golf Plus sind zusätzlich zwei Airbags mehr, eine in der Länge einstellbare Lenksäule und elektrische Fensterheber hinten Serie. Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, Multifunktionslenkrad und umklappbarer Beifahrersitz kosten allerdings etwa 1.200 Euro Aufpreis. Das Schließen der Lücken in der Mercedes-Ausstattung kostet aber auch runde 900 Euro. Insgesamt ist der Mercedes also etwas besser ausgerüstet. Der Vergleich mit dem Basismodell des Golf Plus ist unfair, doch auch in der Spitzenversion Sportline mit 115 PS – also 20 PS mehr als der B 150 hat – ist der VW noch etwa 1.000 Euro günstiger als die Basisvariante des Mercedes. Billig ist die B-Klasse also nicht. (sl)
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Technische Daten
Antrieb:Vorderradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Ottomotor mit Turbolader
Hubraum:2.034
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:142 kW (193 PS) bei UPM
Drehmoment:280 Nm bei 1.800-4.850 UPM
Preis
Neupreis: 21.808 € (Stand: April 2005)
Fazit
Ist die B-Klasse nun wirklich der erste Vertreter einer völlig neuen Fahrzeugspezies? Wenn, dann müsste die von der Karosserieform und vom Innenraumkonzept her recht ähnliche A-Klasse auch dazu zählen. Nein, man muss nicht Compact Sports Tourer zur B-Klasse sagen, sondern kann das neue Auto durchaus auch als Minivan bezeichnen. Wenn man unter einem Minivan ein Auto von der ungefähren Größe eines VW Golf, aber deutlich höherem Aufbau versteht, passt die Definition für die B-Klasse. Das Sitzkonzept ist allerdings weniger variabel als bei typischen Minivans, wo man die Sitze ausbauen kann. Für diese Möglichkeit bezahlt man bei Mercedes Aufpreis. Auch das Fahrwerk ist nicht viel sportlicher als bei anderen Minivans. Die Motoren mit bis zu 193 PS erlauben eine flotte Gangart. Aber im Zafira OPC gibt es demnächst sogar einen 240-PS-Turbo, und auch dieses Fahrzeug würden wir als sportlichen Minivan klassifizieren. Also keine neue Fahrzeugkategorie. Wahr ist aber: Bisher hat noch kein Premiumhersteller einen Minivan präsentiert – weder BMW noch Audi. Hier hat Mercedes einen mutigen Schritt gewagt. Mal sehen, ob die Konkurrenz nachzieht. (sl)

Quelle: auto-news, 2005-07-02

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