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Testbericht

Marcel Sommer, 2. September 2011
Der Suzuki Cara und der baugleiche Autozam AZ-1 von Mazda aus dem Jahr 1993 sorgen mit ihren Flügeltüren noch heute für Aufsehen.

Marcel Spoelstra ist Buchhalter. Er lebt in Landsmeer bei Amsterdam und er fährt Suzuki. Aber nicht irgendeinen Suzuki. Er fährt gleich vier Fahrzeuge der Marke mit dem großen „S“ im Kühlergrill: den Cara, Cappuccino, SC100GX und den Fronte. Autonamen, die bei ihrer Nennung in einem Autohaus zwar für ein Aufhorchen sorgen, aber nicht mit einer Probefahrt enden. Können sie auch gar nicht, denn: Diese vier Autos sind alt. Und einer von ihnen ist auch noch sehr selten. Wie selten, das zeigt die Tatsache, dass Spoelstra nach eigenen Angaben den einzigen Cara in ganz Europa besitzt und fährt.

Mit seinen 1,74 Meter Körpergröße zählt Marcel Spoelstra zwar nicht zu den größten Niederländern, doch in den nur 329,5 Zentimeter kurzen Suzuki passt er trotzdem nur so eben rein. . Da hilft nur eines: Schrauben. Mit der Modifizierung des Fahrersitzes hat er ganze zehn Zentimeter mehr Platz gewonnen. Zudem hat er das originale Lenkrad durch ein ovales ersetzt, was ihm nochmal ein paar Millimeter Freiheit mehr gewährt. Wie kommt er eigentlich in den Genuss, einen von nur 537 produzierten Caras zu fahren? „Im Jahr 2000 gab mir ein Freund einen Tipp, dass im englischen Sussex einer zu verkaufen sei. Ich hab ihn kurz angerufen, ein Ticket gekauft und bin rüber geflogen. Und da stand er. Ein echter Suzuki Cara. Ich habe meinen Augen nicht getraut“, erinnert sich der 42-Jährige.

Der Suzuki Cara ist im Januar 1993 auf dem japanischen Markt erschienen. Kurz zuvor, im Oktober 1992, wurde der baugleiche Autozam AZ-1 auf die Straße gelassen. Die Fahrzeuge der Marke Autozam, eine Unternehmens- Tochter des Herstellers Mazda, wurden wiederum in einem Jointventure von Suzuki hergestellt. Der einzige Unterschied zwischen den beiden sogenannten Kei-Cars ist ganz vorn zu finden. Der Cara hat Front-Nebelscheinwerfer, der AZ-1 nicht. Was beide Fahrzeuge heutzutage wieder so attraktiv macht, sind ihre Flügeltüren. Mazda versuchte damals der Welt zu beweisen, dass bei einem Fahrzeug mit Flügeltüren, die natürlich auch von Suzuki produziert wurden, nicht automatisch das Wort SL auf dem Heck zu lesen sein muss.

Dass auch knappe drei Meter Auto so richtig Spaß machen können, beweist der Cara bei einer kleinen Spritztour an der holländischen Küste. Erst einmal in die Sitze geklettert, sitzt der Fahrer so tief, dass von der Motorhaube nichts mehr zu sehen ist. Zudem lässt sich durch die niedrige Sitzposition gemütlich die Flasche Wasser im Stand auf dem Asphalt abstellen. Gefühlte 10 Millimeter Luft befinden sich noch zwischen der Straße und dem eigenen Hintern. Dank des 47kW/64 PS starken Mittelmotors, der am liebsten zwischen 4000 und 9000 Umdrehungen pro Minute arbeitet, kommt mächtig Fahrspaß auf. Besitzer einer Playstation zwei und des Autorennspiels Gran Turismo 4 können sich übrigens zumindest virtuell von dem giftigen Heckantrieb zum Driften verführen lassen.

Die 660 Kubikzentimeter Hubraum des Dreizylinder-Turbo-Motors, die Zwölf- Zoll-Räder und die Gewichtsverteilung von 44:56 sorgen für eine durch und durch sportliche Fahrt. Einzig der fehlende Platz im Cockpit des knapp 700 Kilo-Leichtgewichts hat auch bei schönstem Wetter ein rasches Ende der Testfahrten zur Folge. Denn weder das Lenkrad noch der Sitz sind verstellbar, so dass auch in Marcel Spoelstras leicht modifiziertem Cara der Kopf in stetem Kontakt zum Dach und das Lenkrad zwischen den Beinen stehen. Wo soll der Platz aber auch herkommen, misst der kleine Japan-Flitzer gerade einmal 115 Zentimeter vom Boden bis zum Chassis-Gipfel. Hinzu kommt der sich wiederholende Kopfschmerz beim Schließen der Flügeltür…

Die Tatsache, dass der Autozam AZ-1 beziehungsweise der Cara nur in einer überschaubaren Stückzahl produziert worden ist, liegt nicht am Fahrzeug selbst. Das Problem war von viel größerer Natur. Die Depression hat Japans Wirtschaft zum damaligen Zeitpunkt brutal getroffen, so dass für diese beiden Kei-Cars keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung gestellt wurden. Schade, denn Spaß macht er, der kleine Japan-Holländer.
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Quelle: press-inform, 2011-09-02

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