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Testbericht

Stefan Grundhoff/Wolfgang Gomoll, 7. April 2013
Ein edler Familienkombi mit der Leistung eines Hochleistungssportwagens? Da fällt einem schnell der Audi RS6 Avant ein. Vortrieb und Fahrleistungen sind schier beängstigend.

Ehemals war der RS6 als Limousine und Avant die Doppelspitze im Audi-Konzern. Doch nachdem die A7-Familie eingeführt wurde, ist der RS6 Avant nur noch als kombihafter Einzelkämpfer unterwegs. Wer eine Limousine will, muss künftig zum identisch motorisierten RS7 greifen. Die technische Basis für den neuen Audi RS6 Avant liefert das Triebwerk des kleineren S6. Vier Liter Hubraum und eine doppelte Turboaufladung müssen zukünftig künftig reichen, um einem der schnellsten Lastesel der Welt die genannten Höchstleistungen zu entlocken. Acht Brennkammern mit je einem halben Liter Brennraum sind der Grund für das Leistungsminus von 20 PS, mit denen sich der RS6-Kunde künftig arrangieren muss. Kein Grund traurig zu sein, denn die Fahrleistungen des Power-Kombis sind nach wie vor eine echte Schau.

Bereits der Spurt 0 auf Tempo 100 zeigt mit 3,9 Sekunden eine Ziffernfolge, die kaum glaubhaft erscheint. Doch bei der Probe aufs Exempel hat man keinen Grund zu zweifeln. Der doppelt aufgeladene Vierliter-V8 verschlägt einem mit seinem Antritt schier den Atem. Mit wildem Bollern trampelt er los und pulverisiert die Zahlen auf dem Tachometer im nu. Im Dynamikmodus brüllt der Achtender wie ein wilder Stier und krallt seine 412 kW / 560 PS via Allradantrieb in den Asphalt. Andere Verkehrsteilnehmer werden zu Statisten. Ohne diesen 4x4-Vortrieb wären die 700 Nm maximales Drehmoment, die ab 1.750 U/min zur Verfügung stehen, kaum im Realbetrieb zu nutzen. Völlig sinnfrei wird der zwei Tonnen schwere Koloss bei 250 km/h abgeriegelt. Erst mit finanziellem Nachschlag gibt es in zwei Stufen freieren Auslauf bis 280 bzw. 305 km/h. So kommt man selbst bei dem mindestens 107.900 Euro teuren Eilzug nicht um das 4.900 Euro Dynamikpaket herum, das unter anderem Dynamiklenkung, Sportdifferenzial, Sportfahrwerk und LED-Scheinwerfer in die Ausstattung zaubert. Die Abriegelung bei 305 km/h kostet sogar unglaubliche 12.900 Euro Nachschlag, weil die Keramikbremse wesentlicher Bestandteil ist.

Im Vergleich zum alles andere als schlechten Vorgänger ist der Audi RS6 Avant im schnellen Galopp kaum wiederzuerkennen. Das tiefe Eintauchen bei Vollbremsungen und Richtungswechseln ist verschwunden. Die Fahrwerksabstimmung ist deutlich feinfühliger als bisher und die Wankstabilisierung Dynamic Ride Control vollbringt im Millisekundentakt kleine Wunder, um dem Piloten objektive und subjektive Sicherheit zu geben. Nicht überzeugen kann gerade bei flotter Gangart die Lenkung. Sie ist bei hohen Tempi nicht nur zu schwergängig, sondern auch allzu ruppig abgestimmt. Vielleicht gut für einen Sportwagen, aber nicht das rechte Paket für einen Luxus-Kombi im engen Sprinterdress wie den RS6 Avant. Auch sein Leergewicht von zwei Tonnen kann der Ingolstädter Lademeister nicht völlig überspielen. Wem die wuchtigen 20-Zöller nicht reicht, kann auf Wunsch nachlegen. Es sind auch 21-Zöller mit 285er-Reifen im Angebot.

Der deutlich kleinere Motor soll sich mit einem deutlich günstigeren Verbrauch bemerkbar machen. Im Normzyklus verspricht Audi schier unglaubliche 9,8 Liter Super auf 100 Kilometern. Bei flotter Gangart bleibt es jedoch locker bei 14 bis 16 Litern. Der Doppelturbo fordert bei Leistungsabfragen seinen Tribut. Keine Wünsche offen lässt das Platzangebot im Audi RS6 Avant. Vorne sitzt es sich in den Sportstühlen bequem und konturiert zugleich. Hinten ist genügend Raum für Kopf und Beine vorhanden, doch etwas bequemer dürften Seitenhalt und Polsterung auch bei einem Sportkombi dieses Schlages sein. Wer die Rückbank umklappt, kann ein Ladevolumen von 1.680 Litern nutzen. Die nächste Langstrecken-Tour quer durch Europa kann daher kommen. Und wer will: selbst ein Abstecher auf eine Rennstrecke ist mit dem Audi RS6 Avant zu machen. Doch sein ausgewiesenes Revier ist die Autobahn. Hier bietet er eine exzellente Symbiose aus Komfort, Sportlichkeit und Alltagsnutzen. Was will man mehr - für 107.900 Euro?
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2013-04-07

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