Testbericht

Joaquim Oliveira, 16. April 2014
Von wegen, in kompakten SUV fahren nur Mütter ihren Nachwuchs zum Kindergarten. Audi RS Q3 und Mercedes GLA 45 AMG zeigen, dass auch die Väter gerne einmal ans Familiensteuer wollen.

Niemand sollte denken, bei Audi RS Q3 und Mercedes GLA 45 AMG würde es sich um SUV mit irgendeinem Geländewagencharme handeln. Beide Konkurrenten sind hoch gesetzte Sportler mit mächtig Dampf unter der Haube, kompakten Abmessungen und jeder Menge Alltagsnutzen. Man versteht auf den ersten Blick, dass man es mit super sportlichen Varianten von zwei Kompakt-Crossovern zu tun hat. Optische Dreingaben wie Breitreifen, Spoiler, Schweller und wütend dreinschauende Fronten springen ins Auge. Der Unterschied bei den Proportionen liegt vor allem in der Höhe, da der Audi RS Q3 zehn Zentimeter höher ist als der Mercedes GLA AMG, während die Unterschiede bei Länge und Breite drei bis vier Zentimeter nicht überschreiten.

Der Innenraum des Mercedes beeindruckt mit seinen Recaro-Schalensitzen mit integrierter Kopfstütze. Die Ledersitze des RS Q3 sind ebenfalls bequem; sie bieten aber weniger Seitenhalt und Beinauflage. Hüben wie drüben wirken Innenräume und Armaturenbretter sportlich, wobei der Audi den schickeren, edleren Eindruck macht und beim GLA 45 AMG besonders der aufgesetzte Navigationsbildschirm wie eine billige Nachrüstlösung wirkt. Beide Modelle verfügen über Getränkehalter zwischen den Vordersitzen, Karbon- und Aluapplikationen, unten abgeflachte Lenkräder und dunkel verkleidete Dachhimmel. Die Rücksitze lassen sich im Verhältnis 1/3 - 2/3 umklappbaren Der Laderaum des Audi ist länger; der des Mercedes breiter und bietet zudem ein größeres Volumen von 421 zu 356 Litern wenn die Sitze aufrecht stehen. Im Innern haben Audi und Mercedes Stärken und Schwächen. Wirklich geräumig sind beide nicht. Der GLA hat mehr Knieraum im Fond; der Q3 bietet nicht nur ein luftigeres Gefühl, sondern auch eine höhere Sitzposition.

Doch für Musik sorgen keine Applikationen, Sitzbezüge und Kofferraumvolumina, denn er geht um den Antrieb. Der zwei Liter große Vierzylinder des Mercedes GLA 45 AMG leistet 265 kW / 360 PS und 450 Nm; der 2,5 Liter große Turbofünfzylinder des Audi Q3 RS hängt mit 228 kW / 310 PS und 420 Nm ab 1.500 U/Min, unterfüttert von dem sonoren Fünfzylindersound, etwas hinterher. 0 auf Tempo 100 bollert der Audi in 5,2 Sekunden und ebenso wie beim Mercedes wird der Tatendrang, Kilometer zu fressen, bei 250 km/h automatisch Einhalt geboten. Der Schwabe schafft den Imagespurt dagegen sogar in knapp fünf Sekunden. In Sachen Effizienz tun sich beide nur auf dem Paper wenig. Auch wenn der RS Q3 mit 8,8 Litern deutlich mehr als der GLA 45 AMG mit 7,5 Litern Normdurst benötigt, lassen sich beide Modelle nur schwer unter elf Litern bewegen. Bei flotter Gangart sind jedoch 15 bis 20 Liter drin, wobei das modernere Mercedes-Triebwerk im Realbetrieb mindestens einen Liter sparsamer als das des Audis ist.

Auf kurvigen Strecken unterscheiden sich die dynamischen Charaktere der Wettbewerber am meisten. Der AMG wird durch seine tiefere Karosserie und das deutlich geringere Leergewicht von knapp 1,6 Tonnen begünstigt und sticht durch das schärfere, bissigere Fahrverhalten hervor. Seine Karosserie wankt sehr wenig. Zudem ist das Fahrwerk trockener abgestimmt und nutzt steifere Elemente. Das Fahrwerk des über 1,7 Tonnen schweren Audi RS Q3 wurde 25 Millimeter tiefer gelegt, doch da er zehn Zentimeter mehr in den Himmel ragt als der AMG und sein Schwerpunkt höher liegt, sind die Karosseriebewegungen deutlich mehr zu spüren; vor allem die Querbewegungen im Grenzbereich.

Bei der Nutzung des siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebes liegt Audi jedoch ganz klar vorne: es ist schneller als das des AMG und es macht einfach mehr Spaß die Gänge auch einmal manuell durchschnalzen zu lassen. Doch trotz der besseren Schaltung schafft es der Audi RS Q3 jedoch nicht das Leistungsniveau des Mercedes GLA 45 AMG zu erreichen, da er 70 kg schwerer und deutlich träger als sein Gegner ist. Beide Getriebe verfügen über verschiedene Programme, doch was die Dynamikeinstellung betrifft, hat der Audi die Nase vorn: die drei Modi (Comfort, Auto, Dynamic) seines Drive-Select-Systems beeinflussen die Rückmeldung der Lenkung, des Gaspedals und des Fahrwerks. Dem kann der Mercedes A 45 AMG aktuell kaum etwas entgegensetzen.

In den sportlichen Varianten der A-Klasse hat Mercedes ein Allradsystem benutzt, das nun auch im GLA zum Einsatz kommt. Es verfügt über eine Lamellenkupplung (hydraulisch gesteuert und an der Hinterachse angebracht) und ermöglicht die Verteilung der Kraft auf beide Achsen völlig frei. Bei der Fahrt mit normaler Bodenhaftung hat der GLA 45 AMG nur Vorderradantrieb, doch wenn das System einen Antriebsverlust erkennt, ist es in der Lage die Kraft auf beide Achsen (50 / 50) zu verteilen oder sogar 100% des Drehmoments an die Hinterachse zu leiten. Dieses Allradsystem hat zudem den Vorteil dass es rund 30 Kilogramm leichter ist, als das des Audis.

Normalerweise ist in diesen Preisklassen der finanzielle Aspekt nicht entscheidend; insbesondere, weil beide Konkurrenten nahezu gleichauf liegen. Der Mercedes GLA 45 AMG startet mittelprächtig ausgestattet bei 55.870 Euro. Im Gegensatz dazu geht es beim ähnlich ausstaffierten Audi RS Q3 bei 54.600 Euro los. Unter dem Strich ist der Mercedes das sportlichere, weil kompromisslosere Auto, das nur beiläufig daran erinnert, ein SUV sein zu wollen. Schwächen gibt es beim Platzangebot, dem nur mäßigen Doppelkupplungsgetriebe und der schlechten Rundumsicht. Der Audi RS Q3 macht keinen Hehl daraus, ein SUV zu sein - eben ein sehr schneller, dessen Doppelkupplungsgetriebe Bestwerte setzt und einen höheren Alltagsnutzen bietet. Im direkten Vergleich ziehen die vier Ringe jedoch den Kürzeren.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2014-04-16

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