Testbericht

Stefan Grundhoff, 1. Dezember 2009
So wie Audi hat es in der Autobranche lange keiner mehr krachen lassen. Mit der Weltpremiere des neuen A8 in Miami Beach drehen die Ingolstädter der erlauchten Konkurrenz eine schmerzhafte Nase.

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Fahrzeug öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Die meisten Hersteller tun dies auf einer der großen Automessen, irgendwo zwischen Frankfurt, Tokio, Schanghai und Detroit. Ist das Fahrzeug besonders wichtig und soll die Aufmerksamkeit nicht von anderen Modellen geschwächt werden, bietet sich ein eigener Event an. So ließ Mercedes die erste Maybach-Generation mit der Queen Mary nach New York cruisen und mit einem Hubschrauber in das Financial District einfliegen. Für die aktuelle Generation der A-Klasse wurde ein Kreuzfahrtschiff gechartert um in Griechenland einen entsprechenden Rahmen für einen Neuanfang zu bieten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die meisten Hersteller sparen sich gerade kaputt. Selbst ausgewiesene Premiumfirmen mit einem Blick für Image und Positionierung präsentieren Luxuslimousinen verglichen mit vergangenen Zeiten heutzutage oftmals bei wenig standesgemäßen Events mit kleinem Aufwand und überschaubaren Kosten. Mercedes zeigte sein Aushängeschild die S-Klasse bei einer Sparveranstaltung im Schwarzwald und BMW blieb bei der Präsentation des neuen 7ers aus Kostengründen ebenfalls in deutschen Landen. Dabei zählen in der Liga der Gentleman mehr als nur die Produkte.

Dass es auch zu schwierigen Zeiten anders geht, zeigt der Volkswagen-Konzern mit seinem eifrig polierten Aushängeschild Audi. Rund 800 geladene Gäste durften Zeuge sein, als der neue A8 im ebenso sonnigen wie exklusiven Miami Beach erstmals das Licht der automobilen Welt erblickte. Bereits am Vorabend eine lockere Party mit Jazz-Livekonzert von Till Brönner und Lesli Mandoki, am gestrigen Abend dann ein Megaevent, der in der Autobranche seinesgleichen sucht. Eintritt frei für die Mega-Show in der eigens aufgebauten Audi-Arena mit Stargast und Moderatorin Lucy Liu. Wenn die anderen kleine Brötchen backen, trommeln die Ingolstädter mit Blick auf das neue Topmodell A8 und das 100jährige Firmenjubiläum umso lauter.

Kein Wunder: denn gerade mit dem A8 hat Audi viel vor. Endlich will man mit dem neuen Modell aus dem gigantischen Schatten von BMW und Mercedes heraustreten, die mit 7er und S-Klasse die Luxusklasse weltweit dominieren. Insbesondere in den USA wollen die Ingolstädter eine neue Stärke zeigen, denn während die deutsche Premiumkonkurrenz schon seit Jahr und Tag besonders im Großraum New York, Südflorida und Kalifornien prächtige Geschäfte mit der Luxusklasse macht, hinkt Audi insbesondere durch ein wenig überzeugendes Händlernetz hinterher – auch bei der letzten A8-Generation. Audi-Vorstand Rupert Stadler: „Der Audi A8 ist für uns eine wirklich große Sache, eine wahre Skulptur. Er zeigt all das, was wir können.“

Der Mehr-Millionen-Event ganz in Miami-weiß soll ein Aufbruch in eine neue Luxus-Welt sein; der neue A8 Maßstäbe setzen. Das Design ist sauber, elegant und edel, wie man es von einem Audi der Oberklasse erwartet. Weiche, fließende Formen mit starken Anlehnungen an die letzte Achter-Generation und des aktuellen A4. Ebenso wie sein Vorgänger ist auch der neue A8 mit einer Aluminiumkarosse ausgestattet. Besonders auffällig präsentieren sich die die Front mit den Voll-LED-Scheinwerfern, dem dekadent blitzendem Singleframe-Kühlergrill und feinen Linien, die sich bis zum Fahrgastraum ziehen. Die Dachlinie ist flacher als bei der Konkurrenz von 7er oder S-Klasse und am Heck fallen Audi-typisch die leuchtstarken LED-Scheinwerfer mit ihren jeweils 72 Leuchtdioden ins Auge. „Lange Jahre konnten wir bei den Leuchten kaum designen“, so Audi-Design-Chef Stefan Sielaff, „die mussten in erster Linie funktionieren. Mit der neuen Technik haben wir nun ganz andere Möglichkeiten.“ Maßstäbe setzt der Neuling in erster Linie im Innenraum. Oberflächen, Ledernarbungen, Schalter und Bedienelemente werden der elitären Konkurrenz viel Kopfzerbrechen bereiten. Hier haben die Audis nochmals deutlich draufgesattelt. Die Beinfreiheit im Fond ist üppig; doch für Kopf wird es über 1,85 Meter noch immer eng. „Der neue Audi A8 ist die sportlichste Limousine in seinem Segment“, unterstreicht Rupert Stadler, „er verknüpft zahlreiche Funktionen auf neue, intelligente Art. Und er ist unübertroffen in der Formensprache und der Wertigkeit des Interieurs.“

Setzte der neue 7er BMW im vergangenen Jahr neue Maßstäbe in Sachen Hightech, so stößt der neue A8 noch weiter in ein neues Elektronik-Zeitalter hinein. Zahlreiche Funktionen im Innenraum lassen sich via Touchpad ähnlich dem eigenen Notebook bedienen. Die Ambiente-Beleuchtung im Innenraum macht den A8 zur mobilen Lümmel-Lounge und die Verstellfunktionen der einzelnen Sitze vorne und im gewachsenen Fond sind ebenfalls beeindruckend. Wie bei der Konkurrenz verfügt der A8 über Details wie Verkehrszeichenerkennung, Überhol- und Spurwechselassistent, Nachtsichtgerät und Tempomat mit Stopp-Funktion. Erst mit Verzögerung kommen eine Hybridversion und eine Start-Stopp-Automatik sowie neue Turbo-Benziner.

Auch bei den Triebwerken haben die Audi-Ingenieure nachgelegt. Starten wird der 5,14 Meter lange Audi A8 im März kommenden Jahres als 372 PS starker 4.2 FSI (9,5 Liter / 100 km, ab 89.300 Euro) und als 250 PS starker 3.0 TDI (6,6 Liter / 100 km, ab 72.200 Euro) – jeweils mit standesgemäßem Allradantrieb. Den A8 3.0 TDI wird es mit leichter Verzögerung auch als Sparversion mit wenig standesgemäßem Frontantrieb und lediglich 204 PS geben, der nur sechs Liter Diesel auf 100 Kilometern verbrauchen soll. Die Gangwahl übernimmt bei allen Modellen eine Achtstufenautomatik aus dem Hause ZF. Wie bei verschiedenen S-Modellen und einigen Konkurrenten gibt es auch beim Audi A8 ein fahraktives Hinterachsdifferential, das die Motorleistung auch zwischen den einzelnen Antriebsrädern verteilen kann. Beim drehmomentstarken A8 4.2 TDI (ab 90.800 Euro) ist es serienmäßig. Sein verbrauch trotz 350 PS: 7,6 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Leichter ist der neue Audi im Vergleich zu seinem Vorgänger nicht geworden; aber immer noch leichter als die Konkurrenz. Auch bei den Preisen liegen die A8-Modelle trotz leichter Aufschläge im Vergleich zum Vorgänger unter denen von Mercedes S-Klasse und BMW 7er.
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Quelle: press-inform, 2009-12-01

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