Testbericht

6. April 2016
Nein, als beinharten Geländewagen könne man ihn nicht verkaufen, gibt der Audi-Pressemann zu. Wenigstens ist er ehrlich. Der A4 Allroad selbst macht hingegen optisch ziemlich auf Geländegänger. Im Prinzip tut er es damit den vielen neuen Crossover-Modellen gleich, kommt dabei aber quasi aus der anderen Richtung: Die Karosse konventionell, aber darunter einen traktionsstarken Allradantrieb, den manches SUV nur mehr gegen Aufpreis zu bieten hat.

Audi A4 Allroad ist ein absolutes Nischenprodukt
34 mm mehr Bodenfreiheit als beim A4 Avant ertüchtigen ihn zudem für den Ausflug abseits zumindest geteerter Straßen. Und lassen ihn zudem schön muskulös aussehen. Dafür sorgen zusätzlich farblich abgesetzte und ausgestellte Radläufe sowie der an den unten zum Vorschein kommende Unterfahrschutz. Der Singleframe-Grill mit den vertikalen Streben gibt ihm eine Schuss Wuchtigkeit - mit dem will man keinen Streit beginnen. Die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen auf dem Testfahrzeug (serienmäßig gibt’s 17-Zöller) runden den markanten Auftritt im wahrsten Sinne ab. Drinnen geht es nobel zu, zumindest in den besseren Ausstattungsvarianten mit Ledersitzen, rauem Nappa-Leder an den Türverkleidungen und natürlich Leder-Lenkrad – definitiv nichts für Veganer. Etwas, das Fleisch- und Pflanzensympathisanten gleichermaßen gefallen dürfte, ist das gute Raumangebot: Fahrer- wie Beifahrersitz, Fond wie Cockpit, überall gibt es reichlich davon. Da sind größer und kleiner gewachsene Berichterstatter einer Meinung.

12,3 Zoll-Display beim Audi A4 Allroad
Die schicken, im Silber-Carbon-Look verzierten Armaturen sowie der 12,3 Zoll-Display lassen einen Hauch von Oberklasse durch die Kanzel wehen. Windstill wird es dann, wenn man den elektrischen Verstellhebel für die Sitze sucht – hier wird manuell gepumpt, gezogen und gekurbelt. Das geht schneller, der Allroad schreibt sich schließlich "Effizienz" auf die Fahne. Na gut.Kurzer Ausflug zum Kofferraum: 505 Liter verspricht der Pressetext, 1.510 Liter bei umgeklappter Rückbank. Diese lässt sich via Hebel im Verhältnis zwei Drittel zu ein Drittel zurückklappen. Kleines Manko: Die Ladefläche ist nicht eben, sondern hat einen relativ starken Neigungswinkel. Dafür freuen sich die hinten sitzenden Passagiere über eine üppige Polsterung. Frage zwischendurch: Wo verstaut man eigentlich die Reserverad-Abdeckung, wenn man die mal entnehmen muss? Dann wohl am besten in der heimischen Garage.Zurück nach vorn: Der zielgerichtete Finger auf den bereits erwähnten Bildschirm toucht beim ersten Versuch ins Leere. Ganz vergessen in der Smartphone-Gewohnheit: Das Ding hat ja einen Funktionsknopf. Der tut, was er soll: funktionieren. Und zwar einwandfrei, dank intuitiver Bedienung und schneller, unkomplizierter Navigation durch die Menüstrukturen.

Induktive Ladestation und LTE-Hotspot im A4 Allroad optional
Optional gibt es für den A4 die weitgehend frei konfigurierbaren digitalen Instrumente. Ganz zeitgemäß lassen sich Android und Apple selbstverständlich koppeln, sodass man mit dem Auto auf bestimmte Apps zugreifen kann. Die Armlehne zwischen Fahrer- und Beifahrersitz beherbergt außerdem eine Fläche fürs induktive Handyladen. Dort sind auch zwei USB 3.0-Anschlüsse sowie ein Aux-Anschluss zu finden. Bei einem Blick ins Handschuhfach fallen die drei Sim-Karten-Schlitze auf, von der eine in unserem Fall belegt ist. Damit wird der Allroad ganz fix zum LTE-Hotspot. Nicht schlecht. Start-Knopf gedrückt, den Automatik-Wählhebel kurz angestubst, damit das "P" in der Mitte der voll digitalen Anzeige zum "D" wird und der 2.0-Liter-TDI ist eingeschaltet. Steht zumindest auf dem Tacho. Man hört ihn nämlich kaum, kein Knattern, kein traktorenartiges Nageln, am ehesten noch ein leichtes Surren. Flott setzt er sich in Bewegung, der kleine Diesel-Allradler mit aufgeladenem Vierzylinder. Die Siebengang-S-Tronic nimmt ihre Arbeit auf und auch hier ist es praktisch, dass es eine Displayanzeige gibt. Denn das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge im normalen Modus derart sanft, dass man es kaum spürt.Die Lenkung ist direkt und führt den Allroad leichtgängig, aber sicher über Autobahn und Landstraßen. Die Bremsen reagieren wunderbar, lassen sich gut dosieren, ziehen aber auch sofort an, wenn nötig. Das Fahrwerk macht einen gut abgestimmten Eindruck, kein Holpern, kein Buckeln. Schweben wäre übertrieben, aber Gleiten trifft es ganz gut.

Dynamic-Modus sorgt für Sportlichkeit im A4 Allroad
Erst im Dynamic-Mode lässt der 190-PS-A4 mal was von sich hören, dreht höher und will dem Fahrer verdeutlichen, dass ein 2016er-Diesel mit Doppelkupplung nicht mehr das Zertifikat "langweilig" verdient. Die Lenkung wird strenger und das Fahrwerk ein wenig straffer.Im Gegensatz dazu lässt er es im "Efficiency"-Mode langsamer angehen und schaltet automatisch in den Leerlauf, sobald man den Fuß vom Gas nimmt. Vielleicht würde man den angegebenen Kraftstoffverbrauch von 4,9 bis 5,1 Liter in diesem Modus tatsächlich erreichen. Das wäre dann aber weniger spaßig als das Durchzappen der anderen Fahrprogramme (auto, comfort, dynamic, individual, offroad), dank derer dann am Ende der Fahrt eine 7,1 in der Verbrauchsanzeige steht. Nicht repräsentativ, versteht sich.

Neuer A4 Allroad TFSI mit Quattro-Ultra-Antrieb
Den neuen Allroad gibt’s ab Sommer mit sechs verschiedenen Motorisierungen. Die Aufteilung zwischen einem Benziner-Modell und fünf Dieselvarianten verdeutlicht klar die Präferenzen der Allroad-Zielgruppe. Den 252 PS starken 2.0 TFSI nutzt Audi als Versuchskaninchen für die serienmäßige Einführung des neuen Quattro-Ultra-Antriebes. Der einst als permanent beworbene Allradantrieb wird so zum Frontantrieb mit zeitweilig zuschaltendem Hinterradantrieb. Marketingtechnisch ist das zwar eine Rolle rückwärts, spart aber Sprit.Neben dem gefahrenen 190 PS starken 2.0 Liter TDI gibt es noch eine 163-PS-Variante, die auch mit Sechsgang-Schaltgetriebe erhältlich ist. Nach der Markteinführung soll das Sortiment durch einen 150-PS-TDI ergänzt werden. Spritziger geht es mit den beiden V6-TDIs mit jeweils 218 beziehungsweise 272 PS. Bei der Topversion sortiert eine Achtgang-Tiptronic-Wandlerautomatik anstatt des Doppelkupplungsgetriebes die Gänge. Die kostet dann aber auch 54.400 Euro nackt. Das kleinste Allroad-Modell startet bei 44.750 Euro.Insgesamt ist der Audi A4 Allroad unter all den glattgebügelten A4-Einheitsfirmenwagen dank seines markanten Auftritts ein echter Exot, ein nicht ganz billiges Schmankerl für Individualisten. Dass er sich tatsächlich für den harten Geländeeinsatz eignet, zweifelt sogar die Audi-Presseabteilung an. Aber für den ungeräumten Weg zur Skihütte ist der Allroad womöglich besser geeignet als eines der modernen Pseudo-SUVs ohne Vierradantrieb.Natalie Diedrichs
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-04-06

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