Testbericht

Stefan Grundhoff, 23. November 2009
Der neue Opel Astra ist da. Mit ihm ist das alte Kompaktklasse-Triumvirat auf dem neusten Stand. Doch wer ist nun der bessere der drei? Der neue Opel Astra, der etablierte VW Golf oder der Ford Focus? Wir machen den Vergleich.

Seit Jahr und Tag versucht Opel mit Kadett und Astra sowie Ford mit Focus und Escort dem übermächtigen VW Golf den ersten Platz in der deutschen Zulassungsstatistik abzujagen. Unzählige Versuche und bisher gab es zumindest in Deutschland nur ein Ergebnis: Der VW Golf sitzt auch in seiner sechsten Generation fester denn je auf dem Thron der Kompaktklasse und die alles andere als schwachen Konkurrenten schauen bei der Kundengunst in die Röhre. Auch den Angriff des neuen Astra scheint er mit einer lässigen Handbewegung abzuwehren.

Karosserievarianten: Mit einer fünftürigen Limousine allein ist es heute längst nicht mehr getan. So bieten alle drei Konkurrenten Schräghecklimousinen mit drei und fünf Türen, sowie geräumige Kombiversionen an. Bei den Limousinen liegt das Laderaumvolumen bei allen drei Konkurrenten bei rund 350 Litern. Die Rückbänke sind umklapp- und der Gepäckraum so erweiterbar. Das Platzangebot im Innern ist bei allen drei Herstellern auf Augenhöhe. Etwas mehr Raum bietet der um 20 Zentimeter längere Astra (4,42 Meter). Er ist zunächst nur als Fünftürer zu kaufen, wird wie sein Vorgänger später ebenfalls als dreitürige Coupéversion kommen, der ein Konkurrent zum VW Scirocco sein soll. Der wichtige Opel Astra Sports Tourer kommt erst Mitte 2010. Von Volkswagen gibt es neben Limousine und Variant mit dem Golf Plus noch eine eigenständige Hochdachversion.

Design: Das Design der drei Kompaktklassestars zeigt große Unterschiede. Während der Golf auch in seiner sechsten Generation gewohnt zeitgemäß, aber alles andere als innovativ oder gar mutig daherkommt, polarisieren die Konkurrenten deutlich mehr. Besonders der Ford Focus hebt sich mit seinem markigen Kinetic-Design deutlich von seiner Konkurrenz ab. Dynamische Front und das polarisierende Heck machen es ihm bei einigen Kunden schwer. Der neue Opel Astra fährt eine ähnliche Designlinie wie der im vergangenen Jahr erfolgreich vorgestellte Insignia, ist im direkten Vergleich zu seinen Konkurrenten mit 4,42 Metern jedoch rund 20 Zentimeter länger.

Antrieb: Das Motorenspektrum ist bei allen drei Konkurrenten ähnlich breit gefächert. Am unteren Ende stehen Vierzylinder-Benziner mit rund 80 PS, am oberen Ende Sportversionen mit deutlich mehr als 200 PS. Stärkstes Modell ist der Ford Focus RS mit seinem 305 PS starken Fünfzylinder-Triebwerk aus dem Hause Volvo. Der Focus ist das einzige Modell, das nicht mit einem Allradantrieb verfügbar ist. Beim VW Golf ist 4Motion schon seit Jahren in verschiedenen Modellvarianten zu bekommen. Beim neuen Astra kommt im kommenden Jahr ebenfalls eine überfällige 4x4-Variante. Die modernsten Benziner mit Direkteinspritzung und Turboaufladung bietet VW. Opel hinkt mit konventionellen Turbos leicht hinterher. In Sachen Benzintriebwerke sieht es bei Ford düster aus. Einziger Turbo ist der 305 PS starke Focus RS. Besonders beliebt sind in dieser Klasse die ebenso drehmomentstarken und verbrauchsarmen Diesel. Mittlerweile sind Golf, Astra und Focus hier sämtlich mit modernsten Commonrail-Dieseln unterwegs, die sich mit weniger als fünf Litern Diesel auf 100 Kilometern zufrieden geben können. Ihr Leistungsspektrum liegt zwischen 90 und 170 PS. Besonders sportlich lässt es Volkswagen angehen, die dem sportlichen Golf GTI eine 170 PS Dieselvariante mit Namen GTD zur Seite stellt. Opel zieht beim neuen Astra mit einem 160-PS-Diesel nahezu gleich. Ford ist mit seinem 2.0 TDCi und 136 PS derzeit ebenso wie bei den Benzinern hintendran. Alle Hersteller bieten Sparversionen mit Einsteigerdiesel, die sich unter den Namen Focus Econetic, Golf Bluemotion und Astra EcoFlex mit rund vier Litern Diesel auf 100 Kilometern zufrieden geben. Maßstäbe setzt Volkswagen nicht nur bei dem Leistungsspektrum, sondern auch bei Motortechnik und Getriebevarianten. Während beim Opel Astra weder Direkteinspritzung mit Turboaufladung, noch Start-Stopp-Automatik oder Doppelkupplungs-Getriebe verfügbar sind, haben die Wolfsburger sämtliche Details bereits im Portfolio. Auch bei Ford hinkt man hier hinterher. Immerhin der Focus ist bei den Dieselversionen 1.6 TDCi und 2.0 TDCi ist auch mit einer optionalen Doppelkupplung zu bekommen.

Fahrwerk / Sicherheit: Hier haben sich alle drei Vertreter in den letzten Generationen mächtig gemausert. Besonders ausgewogen und komfortabel sind die Abstimmungen von Opel Astra und VW Golf; eine Spur dynamischer ist man mit dem Ford Focus unterwegs. Auf nahezu identischem Niveau sind die Sicherheitsausstattungen der drei Konkurrenten. ABS, ESP und mindestens sechs Airbags bieten alle. Aktive Kopfstützen und Isofix-Kindersitzbefestigungen gibt es ebenfalls überall. Der Golf bietet mit dem Knie-Airbag einen Luftsack mehr und Tagfahrlicht machen Astra und Golf besonders sicher.

Ausstattung / Preis: Die Frage, für welchen der drei man sich entscheidet, hängt insbesondere vom Preis ab. Als besonders günstiges oder gar billiges Modell kann sich keiner der drei ernsthaft in Szene setzten. Der neue Opel Astra startet als schwach ausgestattetes Basismodell 1.4 Selection für 15.900 Euro. Selbstverständlichkeiten wie eine manuelle Klimaautomatik und elektrische Fensterheber hinten müssen extra bezahlt werden. So sollte es mindestens der 19.900 Euro teure Astra 1.6 Edition oder der 110 PS starke Astra 1.7 CDTi Edition für 21.650 Euro sein. Der VW Golf bietet beim Basismodell 1.4 Trendline für 16.650 Euro ebenfalls keinerlei nennenswerten Komfort und mit 80 PS die trägste Version einen Bestseller zu fahren. Besser ist man mit dem mindestens 20.900 Euro teuren Golf 1.4 TSI Comfortline unterwegs. Wer sich für den sparsamem VW Golf 1.6 TDI mit 105 PS und Fünfgang-Getriebe entscheidet, muss mindestens 22.150 Euro zahlen. Die günstigste Möglichkeit einen Focus zu fahren, ist der Focus 1.4 Ambiente für 15.500 Euro. Doch real sollte es mindestens der 115 PS starke Focus 1.6 Ti-VCT sein, der als fünftürige Style-Version mindestens 19.500 Euro kostet. Der 109 PS starke Diesel kostet in der mittleren Ausstattungsvariante Style mindestens 20.250 Euro.

Kosten / Wiederverkauf: Der neue Opel Astra rühmt sich damit, über eine besonders günstige Versicherungseinstufung zu verfügen. Damit stellt er Focus und Golf klar in den Schatten. Geht um den Benzinverbrauch liegen alle drei Konkurrenten ihren Motoren nach eng beieinander. Doch in Sachen Wiederverkauf führt am Golf kein Weg vorbei. Er ist seit vielen Jahren das wertstabilste Fahrzeug der Kompaktklasse. Daher tut man sich beim Wiederverkauf besonders leicht. Wer bei der Farbe keine Fehler macht, den Wagen entsprechend gut ausstaffiert und ein volumenstarkes Diesel- oder Benzintriebwerk wählt, hat es bei allen drei Wettbewerbern leicht – beim Golf VI am leichtesten.

Kauftipps: Wer sich für den Ford Focus entscheidet, dem sei uneingeschränkt das Topmodell Focus RS empfohlen. Für 34.900 Euro bietet der 305 PS starke Fronttriebler grandiose Fahrleistungen wie ein echter Sportwagen und lässt zum Schnäppchenpreis wahre Rallyegefühle aufkommen. Die Serienausstattung ist dabei mehr als ordentlich. Beim Opel Astra bieten sich der 110 PS starke Astra 1.7 CDTi für 21.650 Euro oder der Astra 1.4 Turbo Sport mit 140 PS an, der bei 22.425 Euro startet. Die meisten Kunden dürften bei den erwarteten Laufleistungen mit dem Benziner besser bedient sein. Bei der Ausstattung sollte es zumindest die Variante Edition sein. Beim VW Golf hat es der geneigte Kunde besonders schwer. Doch mit dem 1,4 Liter großen Benziner mit Turbolader und Doppelkupplung ist man besonders gut bedient. Die 122 PS des Standard-TSI sind etwas dünn. Die 160 PS der größeren 1.4-TSI-Version machen dagegen richtig Spaß und sind bei den Benzinern die Idealbesetzung. Der Verbrauch liegt im Realbetrieb bei rund sieben Liter Super. Es muss nicht immer ein Diesel sein – gerade nicht in der Kompaktklasse. Fazit: Für was sich der Kunde entscheidet, bleibt Geschmacksache. Trotz des neuen Opel Astra werden sich die meisten nach wie vor für einen VW Golf entscheiden. Da weiß man, was man hat. Der neue, deutlich gewachsene Astra ist gut, aber kein derart großer Wurf wie der Opel Insignia. Seine Freunde wird er jedoch sehr schnell finden. Viele werden sich noch ein Jahr gedulden müssen. Erst dann kommt der interessante Astra Sports Tourer. Gerade der in die Jahre gekommene Ford Focus wird es in diesem Terzett trotz unbestrittener Qualitäten schwer haben. Ihm setzen mehr als den anderen auch die starke Konkurrenz aus Japan, Frankreich und Korea zu. Doch die Händler sehen bereits den neuen Ford Focus am Horizont, der spätestens Anfang 2011 nach Europa kommt. Wer gut verhandelt, bekommt hier aktuell den besten Preis und verglichen mit den anderen beiden so wohl die meiste Kompaktklasse für sein Geld.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2009-11-23

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