Testbericht

26. Dezember 2006
München, 21. Dezember 2006 – Mal angenommen, Sie kriegen 40.000 Euro geschenkt. Was würden Sie damit tun? Vielleicht ein Jahr nicht arbeiten und eine Weltreise machen? Oder eine günstige Ferienwohnung im Süden suchen? Nun, man kann das Geld auch in ein Auto stecken. Um die 40.000 Euro muss man schon ausgeben für eine der drei Premiumlimousinen, die wir Ihnen hier vorstellen: einen Audi A6, einen BMW 5er oder eine Mercedes E-Klasse, allesamt mit einem Sechszylinder-Benziner und 200 PS. Viel Geld. Wir wollten wissen, ob die Edelkarossen es wert sind und haben sie miteinander verglichen.

MOTOR / GETRIEBE Der Audi A6 2.4 hat den schwächsten Motor im Vergleich. Er leistet mit 177 PS doch deutlich weniger als der BMW-Motor mit 218 Pferdestärken oder gar das Mercedes-Aggregat mit 231 PS. Die unterschiedlichen PS-Daten schlagen sich in den Fahrleistungen nieder: Der Audi beschleunigt in 8,9 Sekunden auf Tempo 100, während der BMW und der Mercedes in der serienmäßigen Schaltversion mit 7,5 beziehungsweise 7,3 Sekunden deutlich schneller sind. Auch subjektiv wirkt der Mercedes am schwungvollsten, was wohl auch am überlegenen Drehmoment von 300 Newtonmetern liegt. Audi und BMW fahren sich in punkto Motorkraft etwa gleich. Denn der Ingolstädter hat mit 230 Newtonmetern nicht viel weniger Drehmoment als der fast hubraumgleiche BMW. Die Obere Mittelklasse mit den vier Ringen fühlt sich jedenfalls durchaus nicht untermotorisiert an.

Leisetreter Die Stärke aller drei Autos liegt aber wohl nicht so sehr im sportlichen Bereich. Sie eignen sich eher für lange Autobahnfahrten, und dort bleiben alle drei sehr leise. Besonders tun sich in dieser Hinsicht der Mercedes und der BMW hervor, während es im Ingolstädter Pendant bei hohem Tempo etwas lauter wird. Wer trotz der eher komfortablen Ausrichtung im hohen Drehzahlbereich einen kernigen Sound schätzt, wird am ehesten beim BMW fündig. Alle drei Limousinen werden serienmäßig mit einer Sechsgang-Schaltung ausgeliefert. Bei Audi und BMW fallen die langen Schaltwege auf – das passt zur wenig sportlichen Auslegung der Fahrzeuge. Unser Mercedes ist eher noch komfortabler ausgerichtet und war mit der aufpreispflichtigen Siebengang-Automatik ausgestattet. Sie schaltet auch in der sportlichen Einstellung unauffällig.

Heck oder Front Anders als der BMW und der Mercedes ist der Audi normalerweise ein Fronttriebler. Das hat Vorteile bei Eis und Schnee: Auf glatter Fahrbahn bewegt sich der Ingolstädter deutlich sicherer als die Hecktriebler. Aus unserer Sicht wiegt dieser Vorteil schwerer als der Nachteil, dass beim A6 der Antrieb an der gelenkten Achse zerrt. Wer will, kann alle drei Autos auch mit Allradantrieb ordern. Bei Audi kostet das 2.700 Euro Aufpreis, bei BMW 2.565 Euro. Mercedes verlangt mit 4.756 Euro deutlich mehr, doch wird hier zwangsweise ein Fünfgang-Automatikgetriebe mitgeliefert. Wer in schneereichen Gebieten wohnt, sollte zumindest bei den Hecktrieblern die zusätzliche Ausgabe nicht scheuen.

Audi: Schwächer, aber durstiger Den Verbrauch gibt Audi mit 9,7 Litern auf 100 Kilometer an, der BMW braucht laut Werksangabe nur 8,7 Liter. Beim Mercedes stehen für die Schaltversion 9,3 Liter im Datenblatt. Danach wäre der schwächste Motor auch der durstigste. Bei unseren Testfahrten war dies anders: Der A6 2.4 brauchte 10,9 Liter, der 525i 10,5 Liter und der E 280 stolze 11,9 Liter.

FAHRWERK / LENKUNG Ähnlich wie beim Motor hebt sich der Mercedes auch beim Fahrwerk deutlich von den anderen beiden Testfahrzeugen ab, hier jedoch eher negativ. Denn die E-Klasse fährt sich doch sehr straßenkreuzerhaft, tendenziell ähnlich wie eine typische amerikanische Limousine. Das fühlt sich zwar sehr komfortabel an – Unebenheiten werden fast völlig weggebügelt, so dass man auch bei schlechtem Fahrbahnbelag fast über die Straße schwebt. Doch was sich bei Geradeausfahrt gut macht, wird in der Kurve unangenehm. Hier neigt sich der Mercedes weit nach außen. Auch beim Bremsen bewegt sich die Karosserie mehr als erwünscht: Scharfes Bremsen wird mit Nickbewegungen quittiert. Die Fahrwerke des Audi und des BMW gefallen uns besser. Unser A6 war mit der 1.900 Euro teuren einstellbaren Luftfederung ausgestattet. Hierbei kann man über das serienmäßige Display zwischen den Einstellungen Lift, Comfort, Dynamic und Automatic wählen. In allen Einstellungen fährt sich der Audi sportlicher als der Mercedes. Ähnlich der BMW: Hier kann man zwar nichts einstellen, aber in der Kurve bleibt er ebenso stabil auf dem Asphalt wie der Audi. Trotz des straffen Fahrwerks werden Unebenheiten von den Insassen kaum bemerkt.

Indirekte Lenkung Bei der Lenkung haut der Mercedes in die gleiche Kerbe: Zur komfortablen Federung und Dämpfung passt die indirekte Lenkung. Die E-Klasse kann nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Dieses Schiff steuert man gelassen, sportliche Eskapaden passen nicht zu diesem Auto. Auch die anderen beiden Testkandidaten sind natürlich keine Sportwagen. Doch Audi und BMW haben mehr Temperament als das bürgerliche Fahrzeug mit dem Stern. Allgemein erfreut der Audi durch leichtgängige Bedienung: Das Lenken erfordert hier am wenigsten Kraft, und auch das Kuppeln und Gangeinlegen geht hier am leichtesten. Die BMW-Lenkung liegt zwar bei hohem Tempo ruhig, zieht aber manchmal nach links oder rechts.

INNENRAUM / PLATZ Von einer Limousine der oberen Mittelklasse darf man ein ansehnliches Cockpit, ausreichenden Platz für alle Insassen und einen großzügigen Kofferraum verlangen. Bei den drei Testkandidaten gibt es hier wenig zu mäkeln. Ästhetische Fragen sind Geschmacksfragen, doch uns gefällt das Cockpit beim BMW am besten. Das Audi-Interieur ist uns mit seinem Grau in Grau zu kühl, während die Holz-Innereien des Mercedes zwar mit dem Charakter des Autos, aber nicht mit unserem Geschmack harmonieren. Aufwendig gestaltet sind die Armaturen bei allen drei Fahrzeugen. Während man beim Mercedes Klimaanlage und Audio­system ganz konventionell über Knöpfe und Regler einstellt, setzt man bei Audi und BMW auf ein spezielles Bedienkonzept mit Display und einem joystickähnlichen Steuerungsknopf.

Guter Seitenhalt Die Vordersitze von Audi und BMW bieten genug Seitenhalt auch in scharf gefahrenen Straßenbiegungen. Beim Mercedes hat man hier eher auf Komfort gesetzt, so dass man etwas rutscht, wenn man schnell in die Kurve fährt. Die Ablagemöglichkeiten vorne wie hinten sind bei allen drei Autos etwas beschränkt, vor allem aber beim 5er, wo die vorderen Insassen außer einem kleinen Fach in den Türen keinen Platz für Kleinkram haben.

Genug Fondplatz Mit 4,92 Metern ist der Audi das längste Schiff im Vergleichstest, BMW und Mercedes sind mit 4,84 beziehungsweise 4,85 Metern fast gleich lang. Bei solchen Maßen sollte auch im Fond genug Platz für die Knie sein. Und in der Tat: Der Sitzkomfort hinten reicht bei allen drei Autos für mittelgroße Passagiere aus. Dabei ist die Kniefreiheit in allen drei Autos sehr gut, während zumindest Sitzriesen mit dem Kopf schon in die Nähe der Fahrzeugdecke kommen.

Über 500 Liter Kofferraum Der lange Audi bietet mit 546 Litern am meisten Kofferraum. Doch die Konkurrenten bieten kaum weniger: der Mercedes 540 Liter und der Münchner 520 Liter. Wesentlicher sind die Unterschiede bei der Zugänglichkeit. Beim Audi ist die Öffnung des Kofferraums am kleinsten, was das Ein- und Ausladen erschwert. Am besten gefällt hier der 5er. Bei allen drei Edelfahrzeugen fällt positiv auf, dass man die Rücksitzlehnen umklappen kann, so dass auch Sperriges seinen Platz findet. Das kostet allerdings Aufpreis – bei Audi 290 Euro, bei BMW 480 Euro und Mercedes verlangt sogar 505 Euro. Der etwas höhere Preis ist aber gerechtfertigt, denn bei Mercedes lassen sich auch die Sitzpolster umklappen oder sogar ausbauen. So ergibt sich ein völlig ebener und gut nutzbarer Laderaum.

AUSSTATTUNG / PREIS Die günstigste Alternative in unserem Vergleich ist der Audi A6 2.4 für 34.500 Euro. Den BMW 525i gibt es erst ab 39.600 Euro, und für den Mercedes E 280 werden in der Basisausstattung Classic 41.006 Euro fällig. Die Versionen Elegance und Avantgarde sind um 1.873 beziehungsweise 3.277 Euro teurer. Autos für Normalverdiener sind dies nicht, nicht einmal Autos für die „Obere Mittelklasse“. Recht viel billiger kommt man aber auch bei weniger renommierten Fahrzeugen wie etwa dem Chrysler 300C 2.7 nicht weg. Außerdem sind die drei Fahrzeuge schon serienmäßig gut ausgestattet. Neben einer ordentlichen Sicherheitsausrüstung mit sechs Airbags und ESP kommt hier vor allem der Komfort nicht zu kurz. Elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, vier elektrische Fensterheber, ein CD-Radio, eine Klimaautomatik und sogar Scheibenwischer- und Lichtautomatik sind Standard. Bei BMW und Mercedes sind auch eine elektrische Sitzverstellung, ein Tempomat sowie eine Reifendruckkon­trolle an Bord; dagegen kostet dies bei Audi Aufpreis. Doch auch ausstattungsbereinigt bleibt der Audi das günstigste Angebot.

Gesamtkosten: BMW teurer Und wie sieht es bei den Gesamtkosten aus, also wenn man Wertverlust, Steuer, Versicherung, Spritkosten und so weiter berücksichtigt? Legt man fünf Jahre Haltedauer und eine jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern zugrunde, so ergibt sich mit der ADAC-Autokostenberechnung (www.adac-autokosten.de) ein etwas anderes Bild. Auch hier ist der Audi mit 8.411 Euro pro Jahr der günstigste Kandidat. Dann aber folgt der Mercedes mit 9.225 Euro und schließlich der BMW mit 9.267 Euro. Dass der teurere Mercedes hier besser abschneidet, liegt am etwas niedrigeren Wertverlust, der durch höhere Wiederverkaufspreise zustandekommt. (sl)

(Preise: Stand Oktober 2006)
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Technische Daten
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Hubraum:2.393
Anzahl Zylinder:6
Leistung:130 kW (177 PS) bei UPM
Drehmoment:230 Nm bei 3.000 - 5.000 UPM
Preis
Neupreis: 34.500 € (Stand: Oktober 2006)
Fazit
Die E-Klasse fährt sich sehr komfortabel, doch ist uns das Fahrwerk zu weich. Dafür hat der Mercedes am meisten Kraft. Die sportlicheren Konkurrenten von Audi und BMW haben uns besser gefallen. Der Audi hat zwar nominell einen schwächeren Motor, doch fühlt man das kaum. Außerdem erfreut der Ingolstädter durch leichtgängige Bedienung. Der BMW macht einen sehr soliden Eindruck, aber Kupplung und Lenkung erfordern etwas zuviel Kraft.

Quelle: auto-news, 2006-12-26

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