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Testbericht

Joaquim Oliveira, 22. Februar 2017

Der Alfa Romeo Giulia war nur das unterhaltsame Mittelklasse-Vorspiel. Mit der SUV-Variante des Stelvio wollen die Italiener die ebenso ertrag- wie volumenreiche SUV-Mittelklasse ab Sommer mächtig aufmischen.

Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC oder Porsche Macan - die Mittelklasse-SUV werden den Herstellern seit Jahren aus den Händen gerissen. Auf den längst enteilten Crossover-Zug springt nach Jaguar mit dem F-Pace nunmehr endlich auch Alfa Romeo mit seinem Stelvio auf. Der sieht gut aus; bullig und kraftvoll - dazu ganz im typischen Italo-Stil, wie ihn die Alfisti lieben. Und genauso wie der Stelvio, benannt nach dem Alpempass des Stilfser Jochs, aussieht, fährt er sich auch. Denn zumindest wer sich für die stärkere Version des zwei Liter großen Turbovierzylinder entscheidet, muss sich weder auf der Autobahn noch auf der Landstraße verstecken. Der Motor ist ein Vierzylinder, hat überschaubare zwei Liter Hubraum und gaukelt einem auch gar nicht erst vor, zwei Brennkammern mehr zu haben. Die bleiben allein dem 510 PS starken Topmodell des Stelvio Quadrifoglio vorbehalten.

Doch aus zwei Litern Hubraum holt Alfa Romeo immerhin 206 kW / 280 PS und ab 2.250 U/min ein stattliches Drehmoment von 400 Nm. Heißt, auch mit wenig Touren geht es auf Fahrerwunsch mächtig zur Sache. 0 auf Tempo100 beschleunigt der Allradler in guten 5,7 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei langstreckentauglichen 230 km/h. Braucht man mehr? In dieser Klasse wohl eher nicht. Das gilt nicht zuletzt, weil der Vierzylinder standesgemäß tönt, sich der Normverbrauch mit sieben Litern auf 100 Kilometern im Rahmen hält und die Abstimmung mit der Achtgangautomatik aus dem Hause ZF vorbildlich funktioniert. Im normalen Fahrbetrieb, in der City oder im lässigen Galopp ist der Stelvio betont untertourig unterwegs. "Das ermöglicht nicht zuletzt auch unsere Achtgang-Automatik", erläutert Roberto Fedeli, zuvor bei Ferrari, "damit können wir die Drehzahlen des Motors moderieren." Wem die 280-PS-Version zu teuer ist, kann Ende des Jahres auch auf einen 200-PS-Benziner oder einen Einstiegsdiesel mit 180 PS warten.

Doch auch wenn man im 280-PS-Stelvio vortrefflich über die norditalienischen Pisten cruisen kann, wenn er solide Platzverhältnisse vorn und im Fond hat; der Alfa kann mehr. Einfach ein Dreh am Fahrprogrammschalter am Mitteltunnel, das Getriebe in den Sportmodus und den rechten Fuß vehement aufs Gas. Ein kurzes Durchschnaufen und der 4,69 Meter lange Alfa Romeo Stelvio spurtet überaus engagiert los. Drehzahlmesser und Tacho schnellen im Gleichschritt nach vorn, nur unterbrochen von den unmerklichen Gangwechseln der Automatik. Könnte der Stelvio zwei Zylinder ein paar Kubik mehr vertragen? Könnte er - aber sportlich geht eben auch mit vier Zylindern.

Noch besser als das tatenhungrige Triebwerk schlägt sich jedoch das Fahrwerk; ebenso wie große Teile der Technik vom Alfa Romeo Giulia entliehen. Vergleicht man den Italiener mit Merdes GLC, BMW X3 oder Audi Q5 bringt er durch Leichtbaumaßnahmen 90 bis 140 Kilogramm weniger auf die Waage. So bestehen Haube, vordere Kotflügel, Türen und Teile der Aufhängung aus leichtem Aluminium; die Antriebswelle wurde aufwendig aus hochfester Kohlefaser gefertigt. Roberto Fedeli: "Im Vergleich zum Giulia erhöhte sich das Gewicht natürlich um 150 Kilogramm; aber mit einem Leergewicht von 1.660 Kilogramm sind wir die Benchmark in dieser Klasse."

Das geringere Gewicht ist das eine, doch die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist ebenso gelungen wie die leichtgängige, aber präzise Lenkung oder die kraftvollen Bremsen. "Wir haben es geschafft, die perfekt ausgewogene 50:50 Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen zu bewahren, was für eine effektive sportliche Handhabung entscheidend ist", ergänzt Roberto Fedeli. Selbst bei schnellen Wechselkurven in den Alpen mutiert der Alfa Romeo Stelvio zu einem echten Spaßmacher und muss sich gegenüber der starken deutschen Konkurrenz kaum verstecken. Das gilt nur eingeschränkt für Ausstattung, Fahrerassistenzsysteme und Platzangebot. Der mächtige Mitteltunnel schränkt das Platzangebot im Fond deutlich ein und so sollte bei zwei Passagieren Schluss sein. Das Armaturenbrett kennt man bereits aus dem Giulia, wo zumindest die Topversionen mit überzeugen können, wo entsprechend groß dimensionierte Displays verbaut sind. Die beiden Runduhren sind jedoch unverändert analog. Das Ladevolumen liegt bei 525 Litern. Wer mehr benötigt, klappt die Rücksitze aus dem Laderaum mit einer Handbewegung um. Schon deshalb wichtig, weil dem Stelvio ab dem Frühsommer eine Doppelrolle zukommt. Er ist nicht nur der sportliche SUV, sondern auch ein Ersatz für den Giulia Sportwagon, der vor längerer Zeit bereits gestrichen wurde.

"Wir haben versucht, die besten Fähigkeiten zu nutzen, die bei uns im Konzern existieren", erläutert Cheftechniker Roberto Fedeli, "die von Detroit in Bezug auf SUVs und unsere Expertise in Bezug auf Alfa Romeos DNA. Nur so war es möglich, mit einem SUV zu kommen, der echt zu unserer Marke passt und der die Fähigkeit besitzt, anspruchsvolle Kunden aus Audi, BMW und Porsche zu gewinnen." Der Alfa Romeo Stelvio Q4 kann mit seinem 280 PS starken Turbovierzylinder (ab 60.000 Euro) allemal überzeugen. Doch in Europa dürften sich die meisten Kunden wohl für einen der beiden 2,2-Liter-Diesel interessieren, die wahlweise mit 180 und 210 PS und 470 Nm (ab 50.000 Euro) auf den Markt rollen. Alle Modelle bekommen Getriebeautomatik und Allradantrieb; nur der Basisdiesel ist wenig standesgemäß auch mit Hinterradantrieb zu bekommen.

Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Vierzylinder Turbo
Hubraum:1995
Drehmoment:400 Nm bei 2250 UPM
Preis
Neupreis: 60000 € (Stand: 2017-02-22)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2017-02-22

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