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Testbericht

24. Juni 2012
Malaga (Spanien), 25. Juni 2012 - "Das macht Spaß”, ruft Martin Tomczyk mit einer Miene, wie sie nur durch echte Begeisterung geformt werden kann. Dabei ist der aktuelle DTM-Champion mit einem Wagen unterwegs, der etwas schwerer ist als seine üblichen Arbeitsgefährte: mit dem neuen BMW M6 Coupé. In den Außenspiegeln sehen wir, was hinter uns los ist: Die Sonne bringt eine Wand aus Reifenqualm zum Glühen. Tomczyk driftet bei zirka 90 km/h mit dem M6 Coupé über den Ascari Raceway. Dach: Doppelt edel Das M6 Coupé unterscheidet sich von seinen M-losen Modellgeschwistern natürlich durch größere Kühllufteinlässe an der Front, durch die markanten Seitenkiemen in den vorderen Kotflügeln und durch die vierflutige Abgasanlage. Aber das Beste kommt ganz oben: Wie beim M3, so ist auch das Dach des M6 aus mit Klarlack überzogenem Karbon gefertigt. Dies nimmt Gewicht aus dem Wagen, senkt den Schwerpunkt - und sieht einfach unheimlich gut aus. Das 6er Coupé ist ohnehin einer der elegantesten Desingwürfe der letzten Jahre - das Karbondach setzt dem Ganzen die Krone auf. Noch mehr KarbonAuch die Raumgestalter des M6 Coupé wollten anscheinend nicht von der Eleganz lassen: Die breite Mittelkonsole wird durch eine geschwungene Linie geteilt - eine Hälfte ist wiederum mit Karbon überzogen. Die M-spezifischen Instrumente geben mit einfach abzulesenden Darstellungen einen Überblick über die gerade gewählten Einstellungen und das serienmäßige Head-up-Display begeistert sogar mit Navi-Skizzen. Die Verkehrszeichen-Erkennung ist allerdings vom spanischen Schilderwald überfordert und gibt nur noch große Erinnerungs-Hinweise. Vorne herrscht endlos Platz auf den bequemen Sitzen, die trotzdem genug Seitenhalt für den Ausflug auf die Rennstrecke bieten. Hinten geht es enger zu, aber im Jahr 2013 wird das elf Zentimeter längere M6 Gran Coupé vorgestellt - dann klappt es auch mit den Gästen im Fond. Und klar, der Wagen ist von M, aber warum muss er mit seinen 1.925 Kilogramm Leergewicht auf die Rennstrecke?
Sportlicher mit fester Mütze Das M6 Coupé wiegt 130 Kilogramm weniger als das M6 Cabrio - der Mechanismus zum elektrischen Öffnen und Schließen des Daches macht den offenen Wagen so schwer. Und obwohl das Cabrio sehr steif ist, wir konnten in unserem Test keine Verwindungsanfälligkeit feststellen, so ist das Coupé noch etwas steifer. Und die Kombination aus Steifigkeit und geringerem Gewicht haben die M-Ingenieure zum Anlass genommen, dem Coupé auch ein wenig mehr Fahrwerksathletik zu spendieren. Die Einstellungen für Gasannahme, Lenkung und Getriebe bleiben im Vergleich zum Cabrio gleich, aber alle drei Dämpfereinstellungen sind ein wenig straffer ausgelegt. Passt auch auf der Straße Die kernige Herangehensweise des M6 Coupé ist zu spüren - aber es passt noch. Die optionalen 20-Zoll-Reifen rollen hart ab, aber die Speed-Bumper, die Spanien wie eine Heuschreckenplage heimgesucht haben, nimmt das Fahrwerk gekonnt. In der Einstellung "Sport" wird es erheblich knackiger und bei "Sport plus" scheinen die Federn durch stabile Rohre ersetzt worden zu sein. Dies hat besonders auf der Rennstrecke seine Vorteile: Der Asphalt ist ohnehin eben und selbst übelste Kurven lassen sich ohne Wanken meistern. Auch Martin Tomczyk lässt das M6 Coupé mit einem breiten Lächeln über den Kurs fliegen. Zum Driften meint er: "Das ist das Schönste, was man als Rennfahrer machen kann - beim Rennen darf man das nämlich nicht." Mit ausgeschaltetem ESP stellt er den Wagen quer, zum manuellen Bedienen des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes nutzt der gebürtige Rosenheimer den Wahlhebel und nicht die serienmäßig verbauten Schaltpaddles: "Einfach nur vor und zurück, so kann ich mich nie verschalten. Beim Driften ist das Lenkrad stark eingedreht, da möchte man nicht aus Versehen am falschen Paddle ziehen." Gewicht gleich Luxus Mit dem Gewicht des Wagens hat DTM-Crack Tomczyk keine Probleme. "Wer Luxus will, muss auch das Gewicht akzeptieren." Zumal das M6 Coupé aufgrund von Leichtbaumaßnahmen, wie beispielsweise dem Karbondach, ohnehin etwas abgespeckt hat. Optional gibt es jetzt auch Karbonbremsen (8.700 Euro). Diese reduzieren die sich drehenden ungefederten Massen und verbessern das Einlenkverhalten spürbar. Dass BMW sich zum Angebot von Karbon-Bremsscheiben entschlossen hat, dauerte ziemlich lange - man war nie mit der Oxidationsfreudigkeit von Karbonfasern unter dem Einfluss von Reibungswärme und winterlichem Streusalz einverstanden. Inzwischen sind die Scheiben mit einem extrem harten Material beschichtet, das diesen Effekt verhindert. Auch nach etlichen hitzigen Rennrunden funktioniert die Verzögerung fadingfrei auf kürzestem Weg.
Schön stark Wie schon beim M5, so kommt auch beim M6 Coupé der neue M-Achtzylinder-Twinturbo zum Einsatz. 560 PS und ein maximales Drehmoment von 680 Newtonmeter machen den Wagen nicht nur für den flinken Überholvorgang fit - Tomczyk meint, mit der Power sei der Drift ganz einfach. Auch wenn die Kraft hilft - wenn man selbst ein paar Runden dreht, merkt man schnell: Es liegt auch am Fahrer. Aber die Hochleistungs-Technik hilft enorm: In 4,2 Sekunden bollert der Wagen in den dreistelligen Geschwindigkeitsbereich, maximal sind nach der Vmax-Aufhebung im Zuge des 2.450 Euro teuren M Drivers Package 305 km/h drin. Wohliges Knattern Schon bei niedrigen Geschwindigkeiten macht der V8 Spaß: Ein wohlig ruhiges Knattern hallt von den umgebenden Häuserwänden wieder. Der Sound wirkt dabei nicht aggressiv sondern potent. Allerdings wartet das hellwache Aggregat auf jeden Gasstoß und wenn der dann kommt, wird er gnadenlos in Schub umgesetzt. Der Wagen hechtet nach vorne, der Vortrieb will einfach nicht enden. Dabei röhrt es aus den Endrohren - das klassische V8-Blubbern gibt es hier nicht mehr. Zur Effizienz des 4,4-Liter-Triebwerks trägt auch das Start-Stopp-System bei: Im Schnitt sollen dem Motor laut Hersteller 9,9 Liter pro 100 Kilometer reichen. Die zu diesem Verbrauch passende Fahrweise kann eine Weile Spaß machen - aber eben nur eine Weile. Dann muss man wieder Gas geben und ein bisschen an den athletischen Fähigkeiten dieses Coupés kitzeln. Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe Die Schaltarbeit im M6 Coupé muss natürlich nicht mit der Hand erledigt werden. Auf der Rennstrecke macht dies Spaß, aber für den öffentlichen Straßenverkehr ist der Automatik-Modus des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes top. In der härtesten Einstellung knallt es rennmäßig die Gänge rein, in der sanftesten Konfiguration macht das Getriebe aus dem Wagen beinahe einen schnurrenden Cruiser. Martin Tomczyk ist jedenfalls überzeugt: Der 30-jährige hat sich ein M6 Coupé bestellt. Wie alle anderen wird er bis zum Auslieferungsstart im September 2012 auf den Wagen warten müssen.
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Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:Otto-V-Motor mit Twin-Turbo-Aufladung
Hubraum:4.395
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:412 kW (560 PS) bei UPM
Drehmoment:680 Nm bei 1.500 - 5.750 UPM
Preis
Neupreis: 123.600 € (Stand: Juni 2012)
Fazit
Das neue BMW M6 Coupé unterscheidet sich nicht nur durch sein schickes Karbon-Dach von seinem Modellgeschwister mit Stoffmütze. Das Coupé ist tatsächlich noch einen Tick sportlicher ausgelegt. Die immense äußere Eleganz wird hier mit einer extrem fein abgestimmten aber am Ende gewaltigen Athletik kombiniert.Der V8-Twinturbo-Motor ist ein äußerst effizienter Muskel, der das M6 Coupé mühelos auf Trab bringt. Das siebengängige Doppelkupplungsgetriebe kann dabei seinen Renncharakter kaum verhehlen. Die Ausstattung mit Head-up-Display und LED-Frontlicht ist gut.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-news, 2012-06-24

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