SsangYong Actyon Sports: Auf geht’s zur Tail-Gate-Party

Der SsangYong Actyon Sports ist die Pick-up-Variante des Actyon
Vier Türen: Das Auto gibt es ausschließlich mit Doppelkabine
Die Ladefläche ist kurz, aber recht breit
4WD: Der Actyon Sports wird serienmäßig mit zuschaltbarem Allradantrieb geliefert
16-Zoll-Aluräder sind Serie, 18-Zöller gibt`s gegen Aufpreis

Haar, 10. Januar 2008 – Alles fing an mit Geländewagen für die US Army: Kurz nach Beendigung des Koreakrieges wurde SsangYong als Hadonghwan Motor Company gegründet und begann mit der Produktion der kleinen Geländefahrzeuge. 1988 wurde das Unternehmen vom SsangYong-Konzern übernommen. Der Name SsangYong ist geblieben, obwohl die Marke jetzt zu fast 49 Prozent dem chinesischen Autohersteller SAIC gehört. Vier Modellreihen werden von dem koreanischen Hersteller angeboten: Kyron, Rexton, Rodius und Actyon. Beim normalen Actyon handelt es sich um ein SUV; daneben gibt es noch den Pick-up namens Actyon Sports. Diesen haben wir für Sie getestet.

Schwere Ladeklappe
Von außen wirkt das knapp fünf Meter lange Auto schmal und hoch. Auffällig ist die für einen Pick-up stark gepfeilte Front, die dem SsangYong eine sehr eigenständige Note gibt. Pick-up-Fans würden die Karosserieform des Actyon Sports als Doppelkabinen-Variante bezeichnen – das heißt, es gibt vier Türen. Dahinter schließt sich die Ladefläche an, die hier zwar nur etwa 1,30 Meter lang, dafür aber 1,60 Meter breit ist. Ausgekleidet ist das offene Gepäckabteil mit einem kratzunempfindlichen Plastikmaterial. Es lädt zu zweierlei ein: Einerseits kann man schweres Ladegut wie Getränkekisten einfach mit Schwung in Richtung Fahrerhaus schubsen. Das macht beinahe genauso viel Spaß wie das zweite Highlight eines Pick-ups: die so genannte Tail-Gate-Party. Dazu lässt man die Ladeklappe herunter, setzt sich darauf und beginnt, die auf der Ladefläche gebunkerten Getränkekästen zu plündern. Aufpassen muss man nur, dass man sich beim Öffnen der Klappe keine Rippen prellt, wenn man das schwergewichtige Teil gegen den Brustkorb kriegt.

Ansehnliches Cockpit
Um die Getränke zu besorgen, ist zuvor noch der obligate Tankstellenbesuch fällig. Steigen wir also ein und sehen uns um: Das Cockpit sieht gar nicht mal so bodenständig aus, wie man sich das von Autos denkt, die zur Hälfte Nutzfahrzeuge sind. Das glatte Armaturenbrett ist durchaus ansehnlich; die Drehregler, Knöpfe und Schalter sind zwar beängstigend zahlreich, aber nicht unschön. In der breiten Mittelkonsole findet sich ein säbelartiger Griff, der zur Handbremse gehört, und ein kurzer Schaltknüppel, mit dem das serienmäßige Fünfgang-Getriebe bedient wird. Alternativ gibt es eine vierstufige Automatik. Wichtig ist auch der kleine Drehknopf mit dem stilisierten Fahrwerk darauf. 2H, 4H und 4L: Hier schaltet man zwischen den verschiedenen Modi des Allradantriebs um. Diese elektronische Umschaltung ist auf jeden Fall eine bessere Lösung als der zweite Schalthebel, den Konkurrenten mit mechanischer Umschaltung bieten. Für unsere Zwecke reicht zunächst der Zweiradantrieb, wir gehen also auf 2H. Dann kann`s losgehen.

Kräftiger Diesel, gute Traktion
Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt bei 4.500 U/min – also arbeitet weiter vorne ein Diesel. Wir lassen den Motor an und bekommen als Bestätigung unser Vermutung das raue Geräusch von Selbstzündern zu hören, das hier allerdings nicht negativ auffällt. Der Motor stammt noch aus der Kooperation mit Mercedes, auch wenn ihn der koreanische Hersteller nicht als Mercedes-Aggregat bezeichnet. Ein Blick in die Papiere ergibt mehr Details: zwei Liter Hubraum, 141 PS und nicht weniger als 310 Newtonmeter Drehmoment. Ein kräftiger Selbstzünder also, und das bekommen wir gleich zu spüren: Der Actyon Sports beschleunigt mehr als willig. Eine Anfahrschwäche, wie sie bei so manchem Diesel spürbar ist, gibt es hier nicht. Beim Losfahren auf nassem Fahrbahnbelag fällt auch die gute Traktion auf. Das haben wir schon ganz anders erlebt: So mancher Pick-up dreht hinten durch, wenn wenig Gewicht auf der angetriebenen Hinterachse lastet. Nicht so der SsangYong. Mag sein, dass man den Allradantrieb auf blankem Eis oder festgefahrenem Schnee braucht, bei Nässe ist er nicht unbedingt nötig.

Deutliche Seitenneigung, aber keine Katastrophen
Noch ein wenig vorsichtig gehen wir die erste Kurve an. Nicht zu unrecht, denn bei einer stolzen Höhe von 1,76 Metern liegt der Schwerpunkt hoch, und die Leiterrahmenkarosserie neigt sich stark nach außen. Auf der Geraden gibt sich der SsangYong ein klein wenig holprig, wenn es über unebenen Belag geht. Beim Ampelstopp fällt das leichte Nicken auf: Der Wagen verneigt sich ein wenig vor dem roten Licht. Insgesamt befriedigt uns das Fahrwerk jedoch: Dass man mit einem Pick-up im Slalomwettbewerb den Kürzeren zieht, dürfte so ziemlich jedem klar sein. Nach Abschluss unserer Testfahrten setzen wir uns noch in die zweite Reihe, die für zwei Passagiere zugelassen ist. Dabei fallen uns sofort die Mundwinkel nach unten. Denn der Platz für die Knie ist schon für Mittelgroße zu knapp. Als Transporttalent darf der Sports also nur in Bezug auf Gepäck gelten.

Ab 25.750 Euro
Der Actyon Sports wird derzeit von der Firma Kroymans importiert, doch der Vertrag läuft aus, wie Pressesprecher Werner Röser anmerkt. Dennoch ist der Actyon Sports verfügbar, so Röser, und alle Pflichten gegenüber den Kunden sollen erfüllt werden. Ab Mitte 2008 soll ein neuer Importeur den Verkauf übernehmen. Und wie steht es um den Preis für den Pick-up? Die Liste fällt sehr kurz aus. Es gibt nur einen Motor, nur eine Ausstattung und nur eine Karosserieversion. Der Einstiegspreis liegt bei 25.750 Euro. Klingt nicht viel für ein Fünf-Meter-Auto, oder? Werfen wir einen Blick auf die Konkurrenz. Den allradgetriebenen Ford Ranger mit Doppelkabine und vergleichbarem Diesel gibt es erst ab etwa 27.000 Euro, und auch der Mazda BT-50 sowie der Mitsubishi L200 liegen in diesem Bereich. Der Isuzu D-Max mit Allradantrieb ist allerdings trotz stärkerem Diesel mit rund 22.500 Euro deutlich günstiger. Hier offenbart allerdings schon das Datenblatt eine einfachere Machart: So gibt es hier Blattfedern statt Schraubenfedern sowie Trommelbremsen statt Scheibenbremsen hinten.

Gute Ausstattung, wenig Sicherheit
Da ist der SsangYong deutlich nobler ausgeführt. Zur großzügigen Ausstattung zählen unter anderem eine Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel sowie eine Sitzheizung vorne. Außen ist das Auto standardmäßig mit Nebelscheinwerfern und 16-Zoll-Alurädern bestückt. Im serienmäßigen Sicherheitspaket enthalten sind jedoch nur zwei Airbags und ABS. Seitenairbags sowie ESP gibt es dagegen auch nicht gegen Aufpreis. In der kurzen Extraliste stehen neben der Laderaumabdeckung, der Automatik und einer Metallic-Lackierung nur Ledersitze und 18-Zoll-Räder.

Geringer Verbrauch
Insgesamt bleibt es aber dabei: Der SsangYong ist gut ausgestattet und günstig. Und wie macht er sich an der Zapfsäule? Laut Hersteller fließen 8,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer in den Motor. Auf den ersten Blick recht viel für einen Diesel der 140-PS-Klasse; ein allradgetriebener VW Passat braucht rund anderthalb Liter weniger. Aber der ist eben auch deutlich windschlüpfriger. Im Konkurrenzvergleich schneidet der SsangYong gut ab, denn die Vergleichsmodelle von Ford, Mazda und Mitsubishi liegen über diesem Wert. Auf unseren Testfahrten brauchten wir allerdings wie fast immer etwas mehr als der Hersteller angibt, nämlich 9,1 Liter. Die Euro-4-Norm wird erfüllt, einen Partikelfilter gibt es jedoch nicht – anders als bei der Konkurrenz. Normalerweise wird der Actyon Sports nur als Lkw zugelassen. Ordert man aber die Laderaumabdeckung für 1.200 Euro dazu, kann man das Auto auch als viersitzigen Pkw zulassen.

Technische Daten

Antriebelektrisch zuschaltbarer Allradantrieb mit Verteilergetriebe
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung mit zuschaltbarer Geländeuntersetzung
Motor Bauart:Turbodiesel, Common-Rail-Direkteinspritzung, DOHC
Leistung:104 kW (141 PS) bei 4.000 UPM
Hubraum:1.998
Drehmoment:310Nm bei 1.800 bis 2.700 UPM
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4

Preis

Neupreis: 25.750 € (Stand: Januar 2008)


Fazit

Mit dem auffällig gestalteten Pick-up wird man sicher mehr beachtet als mit einer schlichten Limousine. Auch Spaßpotenzial besitzt das Auto, vor allem wenn man es zur Tail-Gate-Party verwendet, und das würden wir empfehlen. Das Fahrwerk ist für einen Pick-up durchaus in Ordnung, der Motor ein angenehmer Weggenosse. Auch Preis, Ausstattung und Innenraumanmutung stimmen. Also ein idealer Lifestyle-Pick-up? Mag sein, aber in puncto Sicherheit und bei der Umweltfreundlichkeit ist das Auto nicht up to date. Vor allem Seitenairbags, ESP und der Partikelfilter fehlen.

Stärken & Schwächen

gute Traktion, kräftiger Diesel, niedriger Verbrauch
recht komfortabel
ungewöhnliche Optik
günstiger Anschaffungspreis
 
kein Partikelfilter
deutliche Seitenneigung, leichtes Nicken
wenig Kniefreiheit im Fond
weder Seitenairbags noch ESP verfügbar

Testwertung

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
[ 4,0 ]
(Quelle: auto-news , 10.01.2008)