Renault Fluence: Stufenhecklimousine zum günstigen Preis

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Vielleicht ist das Ganze als Mission zu verstehen, derer sich mehrere namhafte Automobilhersteller seit Jahrzehnten angenommen haben: das Angebot kompakter Limousinen bei uns. Wenn sie die Stufenhecks nur penetrant genug anbieten, werden sie die Kunden eines Tages dazu bringen, sie zu kaufen.


Renault Fluence - ab 2011 als E-Auto
Neben Opel, Ford und VW mit Preziosen wie Kadett E Formheck, Orion oder Jetta beteiligt sich Renault seit den Zeiten des leider unvergessenen R19 Chamade daran. Für alle Kunden, die sich nun wieder eine Stufenlösung von Renault wünschen, rollt der neue Renault Fluence zu den Händlern. Eine gewisse Bekanntheit hat die Limousine dadurch erlangt, dass Renault sie im nächsten Jahr elektrifiziert.
Statt mit Akku und E-Motor kommt der Renault Fluence jetzt aber erst mal mit Verbrenner: Zwei Benziner und drei Diesel umfasst das Angebot. Nicht nur die Triebwerke stammen vom Mégane, sondern auch die Plattform - die verlängerte Version des Grandtour mit 2,70 Meter Radstand. Außerdem nutzt der auch als Samsung angebotene Renault Fluence Komponenten anderer Renault-Modelle.
Renault Fluence bietet großen Gepäckraum
Das ergibt schließlich eine 4,61 Meter lange Limousine, die in ihrem Heck 530 Liter Gepäck bunkern kann, was für die Interessenten das Wichtigste sein dürfte. Zudem kann der Laderaum durch die asymmetrisch geteilt umklappbare Rückbank vergrößert werden, wobei sich der Fond noch attraktiver für Passagiere nutzen lässt.
Wegen des weiten Radstands sitzen Erwachsene im Fahrbericht auf der tief montierten Rückbank des Renault Fluence mit viel Kniefreiheit, den Kopfraum schränkt dagegen die niedrige Dachlinie ein. Noch entspannter reisen Pilot und Co. auf ihren hoch positionierten Sitzen - zumindest solange sie sich nicht mit der Bedienung von Radio oder gar dem Navigationssystem befassen müssen.


Komplexes Navi im Renault Fluence
Wer das TomTom-Navi aus den anderen Mégane-Modellen kennt, den wird beeindrucken, dass es noch komplizierter geht als dort. Denn der Renault Fluence übernimmt die Bedienlogik des Clio-Systems mit Fernbedienung. Alle, die einen DVD-Recorder nicht blind programmieren können, werden an der Komplexität dieses Systems verzweifeln.
Also keinesfalls das Navi ordern, so verführerisch das bei einem Aufpreis von 490 Euro auch sein mag. Schon serienmäßig staffiert der Hersteller den Renault Fluence üppig aus, bereits die Basis Expression für 17.950 Euro kommt mit CD-Radio und Klimaanlage. Allerdings gibt es wichtige Extras - Bixenon, Bluetooth und Klimaautomatik - nur für die Topversion Dynamique. Die kostet 2.000 Euro Aufpreis, bringt bis auf die Parkpiepser und besagte Zwei-Zonen-Klimaautomatik aber wenig Nützliches mit.
Renault Fluence Benziner mangelt es an Durchzug
Das Geld lässt sich besser in einen anderen als den Basismotor investieren - etwa den 90 PS starken Diesel. Denn dem Renault Fluence-1.600er mangelt es im Fahrbericht trotz 110 PS an Durchsetzungskraft. Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit des Fluence reichen zwar aus, doch an der lethargischen Elastizität kann nicht einmal die kurze Übersetzung des leicht zu schaltenden Fünfganggetriebes etwas ändern. Zudem mindert das dröhnige Laufgeräusch des Motors den Fahrkomfort.
Dabei liegt dem ordentlich gefederten Renault Fluence an sich die lange Strecke im Fahrbericht mehr als kurvige Landtouren. Biegungen im Straßenverlauf bringt er mit großer Sicherheit, aber ohne jegliche dynamische Ambition hinter sich. Was bei dieser Limousine zwar keiner erwarten wird, doch die eckig ansprechende Servolenkung stört selbst bei gemächlicher Fahrweise.


Renault Fluence wird kein beliebter Gebrauchtwagen
Man muss also von der Überlegenheit des Renault Fluence schon sehr überzeugt sein, um sich unter den kompakten Renault den Fluence herauszusuchen. Immerhin kostet ein gleich motorisierter und fast ebenso reichhaltig ausgestatteter Mégane Grandtour nur 1.400 Euro mehr, einen Scénic gibt es für zusätzliche 1.650 Euro. Und im Gegensatz zum Renault Fluence besteht bei diesen die Chance, später diesseits von Bukarest mal jemand zu finden, der sie als Gebrauchte kaufen mag.

(Quelle: auto-motor-und-sport , 16.11.2010)