Praxistest: Chevrolet Epica 2.0 LT - Bequemes Gasometer

(Quelle: press-inform)
Chevrolet Epica
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Die Zeiten, in denen Chevrolet allein durch die Umbenennung von Daewoo für Gesprächsstoff sorgte, sind vorbei. Nun muss die Marke selber glänzen. Neben dem Captiva soll dafür auch der große Epica sorgen.

Dass Chevrolet erfolgreich Kleinwagen bauen kann, ist längst bewiesen. Die Marke steht unverändert gut da, wächst und gedeiht. Nach dem Pflichtprogramm mit Matiz, Kalos und Nubira nimmt man sich nun die größeren Segmente vor. Gerade die neuen Flaggschiffe Captiva, ein Bruder des Opel-SUV Antara, und die Limousine Epica sollen das Markenprofil schärfen und Image bringen. Dazu kommt, dass sich Chevrolet durch die Nachrüstung von Gasantrieben einen Namen gemacht hat.

Dass der Epica auf dem allenfalls zweitklassigen Vorgänger Evanda basiert, sieht man ihm nicht einmal auf den zweiten Blick an. Allein schon vom Design her trennen die beiden Welten. Die Optik ist elegant wie bei keinem anderen Chevrolet. Fließende Formen, markante Leuchten und üppige Dimensionen schinden nicht nur an der Tankstelle Eindruck.

Unser Münchner Tankwart hat den Epica noch nie gesehen. "Was ist denn das für einer?", fragt er deutlich interessiert und schaut verdutzt auf die Flüssiggaszapfsäule: "Tankt der etwa Gas?" Genau. Nach ein paar Minuten Tech-Talk sind die Fakten geklärt, Herr Friesener hat auf allen erdenklichen Positionen im Innenraum Platz genommen - und ist durchaus beeindruckt. Einen Chevrolet hätte er trotz des großen Logos und des Heckschriftzuges nun doch nicht in diesem Kleid erwartet.

Trotzdem wird es hier nichts mit der Erdgasbetankung - die Zapfsäule funktioniert gerade nicht. Hätte er auch früher sagen können. Aber er wollte anscheinend den Wagen erst einmal in Augenschein nehmen und die Frühstückspause verlängern. Das entschuldigt.

Viel Platz hat der Epica – das ist dem Tankwart direkt aufgefallen. Das Platzangebot liegt über Mittelklasse-Standard. Die Ellenbogen von Fahrer und Beifahrer kommen sich nicht ins Gehege und hinten haben auch größere Passagiere ausreichend Raum für Kopf und Knie. Vorne und hinten sitzt man trotz der üppigen Dimensionen jedoch nur mittelprächtig. Die Ledersitze sehen zwar gut aus. Doch beim Thema Seitenhalt und Beinauflage haben die Koreaner geschlampt. Auch der Verstellbereich der vorderen Sitze ist allenfalls mittelprächtig und die hinteren Kopfstützen genügend gerade mal für Personen bis 1,60 Meter. Der Kofferraum bietet 480 Liter Stauraum - mehr als bei Audi A4 oder Mercedes C-Klasse.

Schlecht sieht es im Epica nicht aus. Gerade die Haptik stimmt. Wer auch tagsüber mit eingeschaltetem Licht fährt, hat ein Problem, das man aus Cadillac und Saab schon kennt: Das Radio-Display lässt sich kaum entziffern. Ein vernünftiges Bildschirmnavigationssystem sollte in dieser Fahrzeugklasse ebenfalls zumindest in der Optionsliste stehen – tut es aber nicht.

Dafür ist der Epica mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Für eine Limousine dieser Dimension sicher passend – im Epica eine glatte Fehlbesetzung. Die zwei Liter Hubraum haben trotz sechs Zylindern und 105 kW/144 PS alle Mühe, den Epica flott zu bewegen. Egal ob in der Stadt, auf der Landstraße oder auf der Autobahn: Der 24-Ventiler erweist sich als lahme Gurke. Jeder Hauch von Elastizität wird von der untauglichen Automatik geschluckt. Auch das maximale Drehmoment von 195 Nm bei 4.600 Touren ist kaum zu spüren. Den Spurt von 0 auf Tempo 100 erledigt der Fronttriebler in knapp zwölf Sekunden.

Wer den Kick-Down der Automatik reizt, bekommt ein so lautes Motorengeheul zurück, dass man Zweifel hegt, ob da unter der Motorhaube wirklich sechs Brennräume ihre Arbeit verrichten. Lässt man den Epica dagegen lässig cruisen, säuselt er sanft und besser gleich für den Epica 2.5 entscheiden. Auch der ist mit 116 kW/156 PS zwar kein Leistungsträger. Aber das Plus an Hubraum ist gerade bei der Automatikversion unverzichtbar.

Über einen unscheinbaren Schalter an der Mittelkonsole kann man die Betriebsart auswählen: Gas oder Benzin. Einen merkbaren Unterschied beim Fahren sucht man vergeblich. Egal ob mit konventionellem Superkraftstoff oder dem günstigen Autogas: Der Epica schnurrt wie ein Kätzchen - wenn man ihn nicht reizt. Mit dem kleinen Sechszylinder schafft der Epica eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 200 Km/h. Der Durchschnittsverbrauch pendelt sich bei knapp zehn Litern auf 100 Kilometern ein.

Wer sich mental und seelisch auf die fehlenden Kraftreserven einstellt, der kann die Fahrt im Epica durchaus genießen. Die Federung ist komfortabel und ordentlich, die Lenkung jedoch zu unpräzise. In schnell gefahrenen Kurven stören die spürbaren Nick- und Wankbewegungen. Spätestens dann kommen die Erinnerungen an den alten Evanda wieder hoch.

Sollte man nun mit dem Chevrolet Epica flirten oder ihm gleich einen Korb geben? Eine sehr gut ausgestattete Mittelklasselimousine bekommt man kaum irgendwo anders für die 20.890 Euro des Epica. Wer die höhere LT-Ausstattungsvariante (ab 22.990 Euro) wählt, freut sich über beheizbar Ledersitze, Klimaautomatik, sechs Airbags und Einparkhilfe. Die 1.500 Euro teure Automatik kann man sich getrost sparen. Manko: Ein standesgemäßes ESP ist derzeit ebenso wenig zu haben wie lichtstarke Xenonscheinwerfer.

Die optionale Gasanlage kostet 2.690 Euro und ist wegen des günstigen Kraftstoffs und der zusätzlichen Reichweite eine gute Wahl – wenn man genügend Zapfsäulen in der Umgebung hat. Das ist immer noch schwieriger als erwartet. Schon deshalb ist ein entsprechend ausgestattetes Navigationssystem mit Infos über die Autogas-Tankstellen unvermeidlich.
(Quelle: press-inform, Stefan Grundhoff, 28.01.2008)
3 Meinungen zu diesem Beitrag:

Nutzer Funhubble schrieb:
Also ich habe den 2,0 LT erstzul. 07/09 einer der letzten mit AT Getriebe.
Ich kann den Test nicht so ohne weiteres bestätigen.
Der geht trotz AT und 144 PS angenehm flott mit einem tollen sechszylindersound vom Fleck, mit lahmer Gurke ist da überhaupt nix !!! Liegt vieleicht auch an dem neueren 6-Gang automat anstelle des alten 5-Gang automatik getriebes. Wenn man ihn ein bisschen drehen lässt wird man sehr überrascht sein dass man auch bergauf hoppladihopp 140Km/h drauf kriegt wenn man nicht auf den Tacho achtet und auch da noch Autos ohne schwierigkeiten überholen kann. Manko ist der Bordcomputer der immer was mit 8,0 - 8,5 l anzeigt und an der Tanke stellt man doch wieder fest dass es 9,8l waren :-(
Andererseits will ein Wagen mit 1580 Kg leergew. auch bewegt werden.

Was ausstattung und verarbeitung angeht ist er wirklich Top! Wollte das vor meiner ersten Probefahrt angesichts des Preises nicht glauben aber ich wurde eines viel besseren Belehrt. Autogas umrüstung behalte ich mir noch vor deshalb wollte ich mal vorsichtshalber keinen Selbstzünder obwohl der ja sparsamer und besser abgestimmt sein soll.
ESP ist ja wie vom Vorredner schon gesagt mittlerweile drin und war für mich auch ein Kaufkriterium, ohne hätte ich ihn gar nicht genommen das gehört einfach mittlerweile dazu.
Ansonsten macht er sehr viel her und einen Sehr noblen Eindruck (Hab ihn in Schwarz) und der Sechszylinder macht sehr viel Spass und hört sich einfach nur genial an. Verbrauch ist meines erachtens ein bisschen hoch aber man hat die Möglichkeit LPG nachzurüsten was nachträglich bei einer sechszylinder Maschine leider nochmal zw. 3000 - 3500 euro kosten dürfte.
 
Nutzer Fan5bk schrieb:
Irgendwie scheinen wir 2 völlig verschiedene Autos zu fahren!
1. Der Epica fährt LPG und nicht Erdgas. Dazwischen liegen schon einige Prozent Preisunterschied.
2.Der Epica hat ab etwa mitte 2007 serienmässig ein TCS, incl. ESP erhalten.
3.Spürbare Nick und Wankbewegungen, wie oben beschrieben, gibt es auch nicht, noch ist die Lenkung unpräziese. Im Gegenteil ist sie auf der Autobahn angenehm straff, lässt sich aber im stadtverkehr leicht drehen.
4.Was die "fehlenden Kraftreserven" angeht- über die Automatic kann ich nichts sagen, aber die Gänge des Schaltgetriebes sind gut untersetzt und knakkig kurz zu schalten. Für jede Situation ist der richtige Gang da.
5.Die Sitze sind gross und gut geformt. Seitenhalt einwandfrei.
Der obenstehende Praxistest ist also in vielen Hinsichten schlicht falsch und zeugt nicht gerade von der Objektivität des Autors...
 
Nutzer MainCoon schrieb:
Auch hier wieder den eklatanten Fehler gemacht, und Erdgas und Autogas durcheinandergeschmissen. Immer ein Zeichen, das sich der Schreiber mit diesem Thema nicht wirklich beschäftigt hat. Schade, ansonsten den Kern getroffen.

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