Kleine Vans im Test: Opel Meriva fordert die Konkurrenz

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Zu den netteren Legenden in bald 125 Jahren Automobilgeschichte gehört die, wonach in britischen Droschken neben dem Fahrer Platz für einen Heuballen sein muss.


Praktische Fondtüren machen noch kein gutes Auto aus
Das galt auch für das bekannteste Auto mit hinten angeschlagenen Fondtüren, den Austin FX4 von 1958, besser bekannt als London Taxi.Was früher Selbstmördertüren hieß, feiert Opel nun als Konzept, das beim Opel Meriva Ein- und Ausstieg erleichtern soll. In der ganzen Begeisterung geht etwas verloren, dass praktische Fondtüren allein noch kein gutes Auto ausmachen, dass sich die Vorteile der hinten angeschlagenen Türen zudem in überschaubaren Grenzen halten und dass der Meriva durchaus bedeutendere Qualitäten bietet. Dazu zählt im Test das Sitzsystem im Fond. Es optimiert die bekannten Tricks - die längsverschiebbare Rückbank lässt sich zur Zweierkombi umgruppieren oder ganz flachlegen. Das erfordert mehr als nur ein paar Handgriffe, gelingt aber so schnell, dass man die Variabilitätsmöglichkeiten wirklich oft ausnutzt, anstatt sie nur spazieren zu fahren.
Der Meriva kann sich bei den Fahrleistungen nicht absetzen
Die üppigsten Außenmaße setzt der Opel Meriva nicht in den großzügigsten Innenraum um, wobei er vier Passagiere gut unterbringt. Der Rückbank mangelt es etwas an Kontur, dagegen zählen die optionalen Ergonomie-Vordersitze (685 Euro) zu den besten der Klasse. Ergonomisch daneben ging das Bedienkonzept mit vielen kleinen Schaltern und komplizierter Bedienlogik. Obwohl Zweitstärkster, kann sich der Meriva bei den Fahrleistungen im Test nicht absetzen. Der sachte Turboschub des sparsamen 1,4-Liters passt aber gut zum Charakter des Opel, der mit dem geschmeidigsten Federungskomfort und niedrigem Geräuschniveau das Komfortkapitel erobert. Auch bei den Fahreigenschaften liegt er mit gutmütigem Kurvenverhalten vorn. Für ausgeprägte Dynamik hat er dagegen ebensowenig übrig wie die anderen.
Picasso als Familien-Erstauto überfordert
Nur der Citroën C3 Picasso versucht sich mit größerer Ambition in diesem Bereich - ohne durchschlagenden Erfolg. Sobald er nicht mehr über glatte Messstrecken, sondern ondulierte Landstraßen fegt, zickt er rum - mit Versetzern und kleinen Heckschwenks, die über die hektisch ansprechende, stößige Lenkung eingefangen werden müssen. Die stramme Fahrwerksabstimmung schadet dem Komfort also nur - ebenso wie der laute Motor. Trotz cleverer Details wie der verschiebbaren Rückbank, einer fernbedienbaren Kindersicherung und vielen Ablagen überfordert den Picasso im Test die Rolle als Familien-Erstauto, dazu ist er mit 4,08 Metern zu kurz. Selbst für Kinder fällt der Platz auf der kaum konturierten Fondbank knapp aus, das optionale Glasdach mindert die Kopffreiheit. Pilot und Co reisen ungedrängter, aber ebenfalls auf unbequemen Sitzen. Auch wegen des durstigen, wenig energischen Motors, der kratzigen, kurz übersetzten Fünfganggbox und des hohen Preises bleibt für den Citroen C3 nur der letzte Platz - das können selbst gute Bremsen und die üppige Ausstattung nicht verhindern.


Venga hält sich im Verbrauch zurück
Der Kia Venga ebenfalls nicht, obwohl er sich im Test zum Teil noch größere Defizite leistet als der Citroën - etwa eine unbeholfene Federung, die poltert, Querfugen kaum abfängt und grobe Stöße als Katapultschläge weitergibt. Am schlechten Fahrkomfort hat zudem der dröhnige, laute Motor Anteil. Das präzise, kurz übersetzte Fünfganggetriebe hält ihn hochtourig, um die Durchzugsschwäche zu überspielen. Immerhin spricht der Sauger zügig aufs Gas an und hält sich - auch durch das Start-Stopp-System (300 Euro) - im Verbrauch zurück, ohne insgesamt an die Qualitäten der Turbokonkurrenz heranzureichen. Das gilt auch für die Fahrsicherheit. Was besonders auffällt, weil der Kia Venga erst mal zu flotter Fahrweise animiert - trotz der stößigen Lenkung. Trifft der Kia in Kurven auf Bodenwellen oder fühlt er sich durch Lastwechsel provoziert, versetzt er bockig oder schwenkt das Heck aus.
Weil ESP das eilig wegregelt, ist das eher unangenehm als gefährlich. Obwohl er vier Passagiere geräumig und auf ordentlichen Sitzen unterbringt, fällt der Kia Venga im Karosseriekapitel auf den vorletzten Platz – wegen schlechter Rundumsicht und des kleinen Standardkofferraums. So hat er den vierten Platz dem günstigen Preis, der reichhaltigen Serienausstattung und sieben Jahren Herstellergarantie zu verdanken.
Modus-Innenraum ist etwas trist
Der Renault Grand Modus scheffelt dagegen mit seinem niedrigen Preis, dem untersteuernden, aber sorgenfreien Fahrverhalten und dem kultivierten, elastischen Turbomotor Punkte - wobei 208 Kilo Gewichtsvorteil helfen, im Test den 20 PS stärkeren Opel auszubeschleunigen. Sein Alter zeigt der Modus mit etwas längeren Bremswegen, schlecht ablesbaren Instrumenten, geringer Variabilität und selbst für dieses Quintett träger Fahrdynamik. Ebenfalls nur durchschnittlich ausgeprägt ist das Federungstalent, aber es reicht mit dem niedrigen Innengeräuschniveau, um sich im Komfortkapitel vor Kia Venga und Citroen C3 zu behaupten.
Den etwas tristen Modus-Innenraum richtet Renault mit kaum ausgeformten Sitzen ein, auf denen die Passagiere hoch und eng beieinander hocken - aber immerhin mit guter Aussicht. Das knappe Platzangebot sowie der kleine, nur umständlich vergrößerbare Kofferraum zählen zu den größten Nachteilen des Renault Modus. Doch er empfiehlt sich mit praktischen Details wie großen Türausschnitten, vielen Ablagen, dem pflegeleichten Interieur und der niedrigen Ladekante als günstiges, pragmatisches, uneitles Familienauto.
Roomster verbindet Vorzüge eines Kleinwagens mit denen eines Vans
Günstig? Pragmatisch? Uneitel? Das sind doch die Stichworte für den Skoda Roomster, der auf der Demarkationslinie zwischen Minivan und Kastenwagen balanciert. Vorn fühlt er sich nach Fabia an, integriert die Besatzung auf bequemen Sitzen tief ins Cockpit. Dahinter hängt das Passagierabteil im Wintergarten-Format. Es bietet das beste Raumangebot, eine variable Möblierung - drei separat umklapp-, verschieb- und neigungsverstellbare Sitze plus Option auf zwei freistehende Einzelsessel. Dazu hat der Skoda Roomster den größten Kofferraum. Aussichtsreiche Fondplätze für die Kinder, flitziges Handling für die Eltern: So verbindet der Roomster die Vorzüge eines Kleinwagens mit denen eines Vans. Die Federungsqualitäten des straffen Fahrwerks verbessern sich mit Zuladung, übertreffen im Test dann sogar den Meriva. Dessen Niveau erreicht der Roomster auch fast bei der Fahrsicherheit, toppt es bei der Verzögerung.
Das Facelift im Mai brachte dem Skoda außen nur kosmetische Änderungen ein. Wichtiger: Er bekam den 105 PS starken 1,2-Liter-Turbo, der auch hier mit nachdrücklicher Elastizität, hoher Laufkultur und niedrigem Konsum überzeugt. Mit dem emsigen TSI ist der robust verarbeitete Roomster zwar nicht mehr der Billigste, bleibt aber der Günstigste im Unterhalt. So belegt der Skoda Roomster den ersten Platz - trotz konventioneller Fondtüren. Mit denen ist er übrigens in guter Gesellschaft - seit 1997 hat die sogar das London Taxi.


(Quelle: auto-motor-und-sport , 02.01.2011)

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