Ein SUV für die ganze Welt

Neuauflage: Der Ford Kuga startet in der zweiten Generation
Der kommende Kuga ist baugleich mit dem in den USA angebotenen Ford Escape
Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Kuga acht Zentimeter länger geworden
Muskulöse Radhäuser, Kunststoffverkleidungen und ein Unterfahrschutz deuten an, dass der Kuga auch für den Einsatz abseits befestigter Wege konzipiert ist
Die Fensterlinie steigt stark nach hinten an, das Dach fällt sanft ab

Cannes (Frankreich), 19. Dezember 2012 - Mit dem Focus hat sie begonnen, mit dem Kuga wird sie nun fortgesetzt: Die Rede ist von der so genannten "One Ford"-Strategie. Anstatt wie bisher eigenständige Baureihen für einzelne Märkte anzubieten, will Ford künftig einheitliche Modelle rund um den ganzen Globus verkaufen. Jüngstes Beispiel für dieses Vorhaben ist der neue Kuga. Das Kompakt-SUV ist in den USA bereits seit Mitte 2012 unter dem Namen Escape erhältlich. 2013 kommt das Auto zunächst in Europa, später auch in der Region Asien-Pazifik unter der Typenbezeichnung Kuga auf den Markt. Genügt das Welt-SUV hiesigen Ansprüchen?

Neuauflage nach fünf Jahren
Bereits fünf Jahre nach der Einführung der ersten Auflage geht also die zweite Kuga-Generation an den Start. Sie ist das Gemeinschaftswerk unterschiedlicher Ford-Dependancen weltweit: Das Interieur und die obere Karosseriestruktur wurden im amerikanischen Detroit gestaltet, das Design entstand in der Europazentrale in Köln und die Motoren werden in England gefertigt. Von außen wirkt der neue Kuga deutlich gestreckter und athletischer als sein etwas pummeliger Vorgänger. Das unterstreicht auch ein Blick auf die Abmessungen: Das SUV ist acht Zentimeter länger geworden, misst nun 4,52 Meter. Zugunsten einer verbesserten Aerodynamik wurde das Auto zudem geringfügig schmaler (vier Millimeter) und flacher (acht Millimeter). Eine große, weit nach unten gezogene Windschutzscheibe und schmale A-Säulen sorgen für gute Sicht nach vorne. Nach hinten ist der Wagen aufgrund breiter D-Säulen und kleiner Fensterflächen weniger übersichtlich.

Heckklappe mit Fußsensor
Innen überzeugt der Kuga mit seinem Raumangebot. Im Fond gibt es passable Bein- und viel Kopffreiheit. Die hinteren Rückenlehnen lassen sich in der Neigung verstellen. Abhängig davon und von der Stellung des variablen Einlegebodens passen in den Kofferraum 438 bis 481 Liter Gepäck - das sind deutlich mehr als die 410 Liter des Vorgängers. Bis unters Dach beladen fasst der neue Kuga maximal 1.653 Liter. Ein netter Clou ist die auch vom BMW 3er oder VW Passat bekannte Heckklappe mit Fußsensor. Über eine Fußbewegung unter den hinteren Stoßfänger lässt sich die Klappe elektrisch öffnen, ohne die Hände benützen zu müssen. Das ist praktisch, wenn man vollbepackt - etwa nach dem Einkauf - das Auto beladen will.
Unübersichtliches Cockpit
Weniger innovativ ist das Cockpit des Kuga: Die zahlreichen Ecken, Kanten und Falten sind etwas zu viel des Guten. Hinzu kommen die unorthodox geformten Lüftungsdüsen sowie in Kombination mit dem Multimediasystem SYNC eine Vielzahl an Knöpfen und Schaltern. Etwas mehr Ordnung würde hier gut tun, zumal die Bedienung mittels Dreh-/Drück-Rad einerseits und Tasten andererseits alles andere als intuitiv erfolgt. Der Multifunktionsmonitor fällt mit 12,7 Zentimeter Bildschirmdiagonale zudem vergleichsweise klein aus, die grafische Darstellung bietet einiges an Optimierungspotenzial.

Zwei Benziner, zwei Diesel
Bei den Aggregaten ersetzt ein 1,6-Liter-EcoBoost-Benziner mit wahlweise 150 oder 182 PS den bisherigen 2,5-Liter-Fünfzylinder mit 200 PS. Auf Dieselseite steht ein Zweiliter-Triebwerk in Leistungsstufen mit 140 und 163 PS zur Verfügung. Ein Start-Stopp-System gibt es einzig für den handgeschalteten 150-PS-Otto, alle anderen Motorisierungen müssen ohne die Spritspartechnik auskommen. Der von uns gefahrene große Diesel bietet stets tadellosen Durchzug und läuft in den meisten Fällen angenehm ruhig. Lediglich unter Volllast klingt der Motor etwas kernig. Laut Hersteller verbraucht der Kuga 2.0 TDCi im Schnitt 5,9 Liter, auf unserer Ausfahrt gönnte er sich jedoch drei Liter mehr. Serienmäßig wird im Kuga ein Sechsgang-Schaltgetriebe verbaut, das leichtgängig und präzise arbeitet. Der Schaltknauf ist angenehm hoch in der Mittelkonsole platziert, die Schaltwege sind jedoch etwas lang. Für die Dieselvarianten steht alternativ ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe bereit.

Elektronisch geregeltes Allradsystem
Wie die Kunststoffverkleidungen rund um die Karosserie sowie ein Unterfahrschutz vorn und hinten andeuten, ist das Einsatzgebiet des Kuga nicht auf asphaltierte Straßen begrenzt. So können bis auf den Einstiegsbenziner alle Varianten statt mit Front- auch mit Allradantrieb geordert werden. Das neue, von Ford selbst entwickelte Allradsystem wird über ein elektromagnetisches Mitteldifferenzial geregelt. 25 Sensoren am Fahrzeug liefern bis zu 40 verschiedene Daten - zum Beispiel über die Stellung des Gaspedals, die aktuellen Drehzahlen aller vier Räder oder den Lenkwinkel. Eine Software analysiert all diese Daten, je nach Bedarf wird dann das Drehmoment zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Im Regelfall werden ausschließlich die vorderen Räder angetrieben, doch es können auch bis zu 100 Prozent an die Hinterachse geschickt werden.
Neue Allrad-Anzeige
Für den Fahrer ist die variable Kraftverteilung praktisch nicht spürbar. Eine spezielle Anzeige im Multifunktionsdisplay zeigt sie dem Fahrer aber in Form eines Balkendiagramms an. Das Fahrwerk bietet nicht nur leichte Offroad-, sondern vor allem hohe Alltagstauglichkeit. Nicht zu weich, nicht zu straff - der Kuga liegt relativ souverän auf der Straße, wankt kaum und ist selbst bei dynamischer Kurvenfahrt nur schwer in den Grenzbereich zu bringen. Allein auf Schlaglöcher und Querrillen reagiert er gereizt. Sie schlagen doch recht ungefiltert auf die Insassen durch und könnten komfortabler weggebügelt werden.

Assistenten fast wie in der Oberklasse
Zu haben ist der neue Kuga als frontgetriebener 150-PS-Benziner ab 24.000 Euro. Er ist damit über 2.000 Euro billiger als ein vergleichbar motorisierter VW Tiguan. Der von uns gefahrene Kuga mit Topdiesel und Allradantrieb ist ab 29.500 Euro zu haben. Immer an Bord sind unter anderem eine Klimaanlage, ein Berganfahrassistent, ein Tempomat sowie Sportsitze. Die jeweils 2.000 Euro teurere Titanium-Ausstattung beinhaltet zusätzlich eine Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Leder-Stoff-Sitze sowie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Zusätzlich bietet Ford für sein neues Kompakt-SUV zahlreiche Assistenzsysteme an - fast schon auf Oberklasseniveau. Erhältlich sind ein Spurhalteassistent, ein Notbremsassistent, eine Verkehrszeichenerkennung für Tempolimits, ein Müdigkeitswarner, ein Einparkassistent, ein radarbasierter Abstandstempomat sowie ein Totwinkelwarner.

Technische Daten

AntriebAllradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Dieselmotor mit Turboaufladung und Common-Rail-Direkteinspritzung
Leistung:120 kW (163 PS) bei 3.750 UPM
Hubraum:1.997
Drehmoment:340Nm bei 2.000 bis 3.250 UPM
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4

Preis

Neupreis: 29.500 € (Stand: Dezember 2012)


Fazit

Auf den ersten Blick erscheint der neue Ford Kuga einfach wie ein umgelabeltes US-SUV. Doch näheres Hinschauen und eine erste Ausfahrt beweisen: Kuga Nummer zwei ist allemal auf die Anforderungen und Bedürfnisse der hiesigen Kundschaft zugeschnitten - mit gutem Platzangebot, soliden Motoren und einem ordentlichen Fahrwerk. Auf der Straße zeigt das Auto nur kleine Schwächen. Die gibt es vor allem beim Bedienkonzept, das zwar viel kann, aber schlecht zu steuern ist.

Stärken & Schwächen

solide Topmotorisierungen mit gutem Durchzug
leichte Offroad- und gute Alltagstauglichkeit
deutlich gewachsenes Platzangebot gegenüber dem Vorgänger
deutlich günstiger als der VW Tiguan
vergleichsweise günstige Extras und Assistenten
 
lange Schaltwege
reagiert etwas polterig auf Querrillen
unübersichtliches Bedienkonzept

Testwertung

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
[ 4,0 ]
(Quelle: auto-news , 19.12.2012)

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