BMW M550d x-Drive im Test: Eine starke Diesel M-pfehlung?

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Scheint, als würde es der Diesel tatsächlich in den Sportwagen-Olymp schaffen. Noch verkrampfen Ferrari und Lamborghini alleine bei seiner Erwähnung, selbst Porsche will ihn nicht für den 911 bestätigen. Da kommt BMW ums Eck und baut den BMW M550d x-Drive als erstes selbstzündendes M-Modell. Schieben wir die Diskussion beiseite, ob die aktuellen M-Autos per se Sportwagen oder sportliche Wagen sind. Festzustellen bleibt: Der Damm des Widerstands gegen den Diesel scheint gebrochen.
Der BMW M550d x-Drive füllt eine bisher nicht augenscheinliche Lücke zwischen dem 535d mit 313 PS und dem M5 als Benziner-Topmodell mit 560 PS, übertrifft Letzteren beim Drehmoment allerdings um 60 Nm. Auch sonst sitzt der Neue etwas zwischen den Stühlen, gehört nicht zu den klassischen M-Modellen, sondern ist der erste Vertreter der neuen M-Performance-Reihe, ganz in der Gesinnung des M535i von 1980.


BMW M550d x-Drive mit drei Turboladern
Alleinstellungsmerkmal beim BMW M550d x-Drive ist der serienmäßige Allradantrieb, der beim 535d als Option bestellt werden muss und den es weder beim M5 noch beim Alpina D5 gibt, der Buchloer Alternative. Optisch hält sich der neue M bedeckt: hier eine Frontschürze, dort ein Spoilerchen, nichts allzu Auffälliges. Er soll dezent bleiben, auf keinen Fall aufgeplustert wirken - die Show bleibt dem M5 vorbehalten.
Der Name BMW M550d leitet auf die falsche Hubraum-Fährte; nicht fünf Liter werden im Direkteinspritzer-Verfahren mit Gemisch gefüllt, sondern nur drei; das Basistriebwerk stammt aus dem 530d/535d. Wer nur ansatzweise Begeisterung für die Technik eines Verbrennungsmotors mitbringt, wird mit der Zunge schnalzen: Der Neue ist ein Tri-Turbo - dreifach aufgeladen. Zunächst bläst ein kleiner Lader knapp über Leerlaufdrehzahl an, dann übernimmt ein größerer Niederdruck-Verdichter ab etwa 1.500/min. Noch einmal 1.000 Umdrehungen später fördert eine dritte, kleine Hochdruck-Turbine zusätzlich Luft in die Brennräume, um das typische Diesel-Asthma bei hohen Drehzahlen zu lindern. So eine Technik schürt Erwartungen.
Diesen Legitimations-Druck pariert der Selbstzünder enorm ernsthaft. Ein Turboloch im eigentlichen Sinn gibt es nicht, der BMW M550d x-Drive legt ab Leerlaufdrehzahl stramm los - doch zum Sturzflug starten die Schmetterlinge im Bauch erst kurz danach. In dem Moment dazwischen baut sich der Ladedruck auf; maximal sind es kaum vorstellbare drei bar. Dank deren Macht saugt der Zwei-Tonnen-Brocken die Straße unter sich geradezu weg.


BMW M550d in fünf Sekunden von null auf 100
Der BMW M550d stemmt sich zwar in noch immer respektheischenden fünf Sekunden aus dem Startblock auf Tempo 100, die Werksangabe verfehlt er aber um drei Zehntel. Dabei grollt der Sechszylinder unisex - er klingt weder wie ein Diesel noch wie ein Benziner, sondern einfach nach satter Leistung. Für einen besseren Wert lässt sein serienmäßiger Allradantrieb nicht genügend Schlupf zu, und die Anfahrstrategie des Achtganggetriebes ist zu defensiv.
Weil er die Kraft an alle vier Räder verteilt, kann der BMW M550d x-Drive seine prallen 740 Nm in freier Wildbahn aber nach Belieben ausspielen. Am Kurvenausgang gibt es für die Traktionskontrolle nichts wegzuregeln - es geht einfach stramm nach vorn. Die Vortriebskompetenz lässt keinen Zweifel zu, was sofortiges Vertrauen des Fahrers in die Maschine herstellt.
Trotz der erstaunlich geschmeidigen Federung unterbindet das Fahrwerk selbst in Stellung Comfort jeglichen Ansatz von Labilität. BMW zeigt wiederholt, wie sich Komfort und Kurvenkompetenz segensreich vereinen. Der BMW M550d x-Drive liefert Alltagssport in plausibler Ausprägung, also völlig frei von Härten oder Grobheiten – schließlich sollte der Limousinen-Charakter nicht verdorben werden. Allerdings muss beim fein ausbalancierten Flug über die Landstraße mit dem M-Boliden gearbeitet werden. Der schwere Allradler wirkt behäbig, seine zurückhaltend servounterstützte Lenkung verlangt im Geschlängel starke Arme.


M550d verbraucht einen Liter mehr als Alpina D5
Durch den Slalom wedelt der BMW weniger leichtfüßig als etwa der Alpina D5. Auf ungepflegten Autobahnpisten dringen in schnellen Kurven zudem Störeinflüsse an der Vorderachse durch - ähnlich wie bei echten Sportwagen. Deren Zügellosigkeit beim Beschleunigen verpackt der BMW M550d in bürgerliche Anständigkeit und passt damit hervorragend in die heutige Zeit.
Der Diesel hat nun endgültig das Image der B-Ware abgestreift und inszeniert sich triumphal als Tri-Turbo-M. Doch die Kalkulation der Münchner wird dafür sorgen, dass er nur Teil der großbürgerlichen Lebenswelt wird. Rund 23 000 Euro beträgt der Aufpreis zu einem heckgetriebenen 535d, der nicht viel weniger Schub-Empfinden liefert. Um immer noch etwa 10.000 Euro unterbietet der über 100 kg leichtere, kaum langsamere Alpina D5 den M550d - und begnügt sich sogar mit einem Liter Diesel weniger auf 100 Kilometer: 10,3 statt 11,2 Liter. Da wird es eng mit Argumentieren. Der BMW M550d x-Drive wird wohl ein oft bewunderter, aber selten verkaufter Technologieträger werden.

(Quelle: auto-motor-und-sport , 20.04.2012)

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