BMW 330d: Der neue Diesel mit 245 PS im Test

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Diesel klingen nicht, sie nageln penetrant, brummen wenig melodisch und sind für die Ohren mancher Sport-Gourmets eher eine Beleidigung - so denken viele. Nur hat das anscheinend noch keiner dem neuen Sechszylinder-Diesel von BMW gesteckt. Akustische Mimikry würde ein Biologe wohl nennen, was das 185-Kilogramm-Triebwerk (fünf Kilo weniger als der Vorgänger) von sich gibt.

BMW hat seinen schon vormals formidablen Dreiliter-Ölbrenner mit Erfolg komplett neu entwickelt. Macht 245 PS (14 mehr als bisher) und versprochene 152 Gramm CO2 pro Kilometer (acht weniger als bisher).


Ein Umweltengel soll er sein

So schrumpft das unliebsame Gewicht vor der Vorderachse ebenso wie das Verletzungsrisiko für Fußgänger. Das alles hübsch verpackt in den facegelifteten 3er mit schöneren Lampenaugen und knackigerem LED-Strahle-Heck. Ein Umweltengel soll er sein: Mit Bremsenergie-Rekuperation, Start-Stopp, serienmäßigem Dieselpartikelfilter für den groben Schmutz und NOX-Speicher-Katalysator gegen Stickoxid-Emissionen heftet er sich jetzt schon die kommende Abgasnorm Euro 6 auf den Zylinderkopf.

Dabei geht er noch einen Hauch teuflischer als der Vorgänger. Gierig und ohne Rudolf-Diesel-Gedächtnis-Zögern schiebt der Reihensechser aus den Drehzahl-Niederungen, peitscht die 1.584 Kilogramm fast schon arrogant locker nach vorne. Nur 6,1 Sekunden verfliegen bis Tempo 100. Beim Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h ringt der 520-Nm-Mittelklässler in 8,5 Sekunden einen Audi R8 und Ferrari F430 Spider nieder.

Genau so muss ein 3er sein. Und so muss er sich bedienen. Der alte i-Drive ist tot, es lebe der neue. Schnell, intuitiv, mit gestochen scharfer Darstellung und überzeugenden Funktionen setzt sich BMW nach Jahren des knopfarmen Strebens mit neuen Drückern an die Bedienspitze.


Premium-Look

Das weitere Interieur zeigt ähnlich wie das Exterieur nur subtile Verfeinerungen. Die Anmutungsqualität strahlt bis ins Detail im Premium-Look. Doch leider leistet sich der 3er am Kofferraum eine typische BMW-Schwäche: unlackierte Flächen und eher lieblose Verkleidungen. Der Kofferraum schluckt klassengemäße 460 Liter, und lange Passagiere spüren im Fond eine gewisse Intimität sowie die Vordersitze an den Knien. Kommen wir zum unangenehmsten Part: dem Preis. 40.450 Euro kostet der 330d in der Basis-Variante. Selbst für einen Tempomaten verlangt BMW dreiste 320 Euro Aufpreis.

Mit etwas Luxus schnellt der Preis hurtig über 50.000 Euro. Sehr viel Geld für ein Mittelklasse-Auto, aber noch angemessen für ein Muster an Sportlichkeit und Sparsamkeit. So überzeugend wie der neue Diesel-Sechszylinder-3er verbindet derzeit kein Großserien-Auto diese scheinbar unvereinbaren Wünsche. Fünf Sterne mit Sternchen.


(Quelle: auto-motor-und-sport , 14.10.2008)