



Nummer 1
Er trägt zugleichden ersten Buchstaben des Alphabets und die „1“ im Namen – will so einer nur Zweiter werden? Garantiert nicht: „Das agile Fahrwerk und die kraftvollen Motoren machen den A1 zum sportlichsten Auto im Segment“, frohlockt die Pressemappe.
Nix Audi 50 (ganz platt: ein Polo). Nix A2 (seiner Zeit voraus) – Der Neue setzt im sportlich-kompakten Format 3,95 x 1,74 x 1,42 Meter auf die ganz hippen und zeitgeistigen im Automobilgeschäft an: Mini & Co.
Dort, wo Ringe drauf stehen, ist auch Ingolstadt drin. Da bleibt sich der Audi treu. Sichtbar am Singleframe-Grill, dem Dachbogen, der C-Säule und wuchtigen Radhäusern (Räder bis 18 Zoll). Mit der „Welle“ in den Scheinwerfern und den dreidimensional geformten Heckleuchten setzt der Bayer sichtbar auf Wiedererkennung. Am Dachbogen kann die Farbe (zehn Außenfarben) wechseln – der ebenso im Zweifarb-Look orderbare R8 grüßt im Geiste. Einige Features lassen sich nachrüsten.
Im hochwertig erscheinenden Innenraum setzt sich die Expressivität des Auftritts auf Wunsch fort: Es gibt farbige Luftdüsen, LED-Innenleuchten (Lichtpaket mit 100 Prozent LED-Technik) oder Bezüge in knalligen Farben. Neben den beiden Ausstattungslinien Attraction und Ambition geht hier trotzdem noch einiges mehr: Oberklassige Ausstattung (etwa die MMI Navi plus des neuen A8 oder das 465 Watt-Bose-Surround-System) und Kompaktheit schließen sich eben nicht aus – der Mini lässt grüßen. Ins Kofferabteil, das über einen doppelten Ladeboden verfügt, passen 267 Liter (920 bei dachhoher Beladung).
Audi schickt die neue Baureihe mit vier „downgesizten“ Vierzylinder-Direkteinspritzern ins Rennen. Die Leistung der zwei TDI und der beiden TFSI-Benziner liegt zwischen 86 und 122 PS, die Verbräuche zwischen 3,8 und 5,4 Liter. Der Sparsamste, der A1 1.6 TDI mit 90 PS und Handschaltung, emittiert lediglich 99 g CO2/km. Wie der Einstiegs-Diesel haben auch alle anderen Motoren ein Rekuperationssystem mit an Bord, mit dem sie beim Verzögern Energie zurückgewinnen. Zudem sind sie mit einem Start-Stopp-System verkuppelt. Auf Wunsch steht die Siebengang S tronic als Kraftübertragung zur Wahl (optional mit Wippen am Lenkrad).
Warum der Audi A1 der sportlichste seiner Klasse sein soll, ahnt man schon. Mit einem CW-Wert von 0,32 steht er dem Wind ziemlich effizient im Weg. Mit nur 1.045 kg (Basismodell) ist er ein Leichtgewicht. Mit der für einen Frontgetriebenen recht ausgewogenen Gewichtsverteilung und direkter Lenkung lockt er genau jene Fahrer, die BMWs Mini genau für all dies lieben. Exakter: „Fahrerinnen“, denn Audis Marktforschung vermutet im neuen Kleinwagen ein „Frauenauto“. Mal sehen, was die Männer dazu sagen werden, wenn der neue A1 für 16.000 Euro ab Sommer beim Händler stehen wird. (le)
Der Bruder des Polo
Es mutet an wie bei den Bestsellern in den 1970ern. Alle wieder da:
VW Käfer,
Fiat 500, Mini
Cooper. Und mit dem
VW Polo teilt er sich, wie damals der Audi 50 mit dem Polo, zahlreiche Komponenten.
Bei der Karosse setzt der neue Kompakt-Audi - voll auf „Premium“ - auf emanzipatorische Eigenständigkeit. Das machten schon der erste Entwurf, das A1 Metroproject
Quattro auf der Tokyo Motor Show 2007, und die schon seriennahe Studie auf dem Pariser Autosalon 2008 unmissverständlich klar.
Die kurzen Karosserieüberhänge, der großzügige Radstand, die betont flache Dachlinie und speziell der extragroße Kühlergrill machen „AU210“ (so der interne Code) zum neuen Audi A1: ziemlich genau vier Meter lang, etwa 1,75 m breit und mit der Alltagstauglichkeit eines (im MINI-Abgleich) vollwertigen Viersitzers.
Ob der neue Audi hält, was die Studien mit sportlichen Fahrleistungen (7,8 Sekunden von Null auf Hundert), niedrigem Verbrauch (4,9 l auf 100 km; Show Car Paris: 3,9 l ) und zeitgemäßem CO2-Ausstoß schon versprachen (112 und 92 g/km), nämlich den Hybrid-Antrieb ab 2011? Das ist, auch weil sich Audi mit dem
Q7 Hybrid in der Vergangenheit nicht an solche Versprechen hielt, fraglich (er wurde auf der IAA 2007 im Beisein von Ex-Kanzler Schröder euphorisch präsentiert, jedoch nicht gebaut). Es hängt offensichtlich von der Stromversorgung ab: Die Lithium-Ionen-Akkus stammen von Sanyo aus Japan.
Unter der Haube soll immer ein Turbomotor zum Zuge kommen. Entweder ein aufgeladener Benzinmotor oder ein Diesel. Das Einstiegsmodell wird entweder vom 1,6 Liter-TDI mit 90 PS oder vom 1,2 Liter-TSI mit 105 PS angetrieben. Der formidable 1,4 Liter-TSI wird nach heutigem Erkenntnisstand im A1 auf 180 PS taxiert, der noch etwas weiter in Ferne stehende S1 auf rund 250 PS. Dass Audis 1er in dieser Sportvariante (und mit einigen der anderen Motoren) zusätzlich zum Frontantrieb ebenso mit dem Allradantrieb „Quattro“ erhältlich sein wird, ist Ehrensache - denn „Quattro“ ist ganz klar Audi.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Produktion schon Ende 2009 beginnt. Zuerst wird der Dreitürer im Frühjahr/Frühling 2010 zum Kunden gelangen. Der fünftürige Sportback folgt ein halbes Jahr darauf. Gebaut werden beide - vielleicht in Zukunft auch ein Cabrio - im Audi-Werk Brüssel. Anfänglich waren 90.000 Exemplare pro Jahr geplant, jetzt rechnet man bei Audi mit maximal 120.000 Einheiten. Der Grundpreis soll mit 15.000 € hoch und um 3.000 € über dem des VW Polo liegen - Da Audis A1 mit schickem Innenleben, scharfem Handling und betonter Premiumaura auf BMWs MINI ansetzt, dürfte man diesen, fast obligatorischen Biss in den sauren Apfel schon geschluckt haben. -le-