Vor wenigen Wochen war es mir "vergönnt", während eines 2tägigen Aufenthalts jenseits des Weißwurstäquators (für mich als Flachlandtiroler eine echte emotionale Herausforderung...) einen bei Sixt gemieteten Fiat Grande Punto mit 1.4-Liter-Maschine und 78 PS zu fahren.
Positiv an dem Auto zu vermerken waren für mich lediglich die 4 Türen und das hübsche Blaumetallic. Und sicherlich gibt es heutzutage noch deutlich häßlichere Autos...
Ansonsten fand ich den Wagen absolut gewöhnungsbedürftig.
Das fing für mich an mit der hohen Sitzposition, die ich trotz Sitzhöhenverstellung nicht optimal an meine Körpergröße (193cm) anpassen konnte. Außerdem war der Längsverstellbereich
...
der Sitze viel zu gering.
Desweiteren empfand ich persönlich Sitze und Federung als deutlich zu straff (was ja angeblich "euopäisch" sein soll) und eher wenig komfortabel, aber das lasse ich mal als individuelle Geschmackssache dahingestellt.
Am meisten nervte mich der miserable Geradeauslauf des Wagens, der zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate alt war und gerade einmal um die 16000 km gelaufen hatte.
Ständig mußte ich korrekturlenken, was auf Dauer und bei längeren Strecken absolut nervtötend ist (man hätte fast meinen können, das ich mit 3,8 Promille auf dem Turm durch die Botanik kurve, wegen der Schlangenlinien...) und unmäßig viel Konzentration erfordert. Außerdem empfand ich die Lenkung generell als zu leichtgängig.
Der Motor mit seinen 1,4 Litern Hubraum war zwar eigentlich ein leiser Geselle, aber nur bis hin zu bestimmten Tempo-und Drehzahlbereichen.
Aufgrund der geringen Hubraums und des mageren Drehmoments (115 Nm) besaß der Wagen nämlich eine ausgeprägte Durchzugsschwäche und ziemlich verhaltene Beschleunigungswerte, was jedes Überholmanöver wohl kalkuliert sein ließ. Und wenn es dann eben doch sein mußte, wurde er schnell brummig und laut.
Die Ergonomie des Armaturenbretts fand ich auch nicht so gelungen, ebensowenig den Materialmix im Innenraum.
Der Verbrauch lag so ca. zwischen 7 und 8 Litern, was für mich anhand des Gebotenen Mittelmaß darstellt, vor allem wenn ich bedenke, dass meine beiden deutlich größeren, stärkeren und schwereren Opel Omega 2.5-V6 (170 PS) und Ford Scorpio 2.3 (147 PS) jeweils nur um die 9,5 Liter schlucken und das bei zügiger Fahrweise.
Auch störend: Aufgrund der hoch angebrachten Heckscheibe und der vermeintlich sportlichen, ansteigenden hinteren Seitenlinie (wer hat sich so einen Blödsinn bloß ausgedacht ?) sowie des kurzen vorderen Überhangs erwies sich das Auto beim Einparken als recht unübersichtlich, so dass man sagen kann, die Form stand bei der Entwicklung weit vor der Funktion.
Um ganz ehrlich zu sein: Ich war froh, als ich aus dem Auto wieder aussteigen konnte. Ich will den Wagen nicht pauschal als schlecht abqualifizieren, aber für mein Empfinden und meine Bedürfnisse taugte er überhaupt nicht.