Fiat Croma 1.9 Multijet 16 V DPF
Schlicht, Ehrlich, Standart im eleganten Gewand,
so könnte man den größten Dampfer der Fiat Pkw-Familie bezeichnen.
Schon seit einigen Jahren (Debüt 2005 in Genf) auf dem Markt und nach einem Facelift 2007 aufgefrischt, erwartet den Interessenten eine, bei genauerer Betrachtung, doch stilvolle Kombivariante.
Der Croma, im italienischen Cassino gefertigt, teilt sich seine Plattform mit dem Opel Signum (der nicht mehr gebaut wird) und dem Saab 9-3, wie auch den größten Teil der Motoren.
Ich hatte schon des Öfteren Gelegenheit den Wagen zu fahren und kennenzulernen.
Mit dem bereits erwähnten Facelift, ist es Fiat gelungen, aus dem zunächst
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eher tristen Äußeren einen gewissen „Hinguckereffekt“ zu erzielen. Die Leuchteinheiten in der Front sind die gleichen wie beim Fiat Bravo. Von daher empfehle ich auch hier eher das aufpreispflichtige Xenon.
Mit seinen fast 5 Meter Länge verspricht das Fahrzeug zumindest äußerlich viel Raum für Familie und Gepäck. Der Eindruck wird sich nach dem Platznehmen bestätigen. Vorne wie hinten ist mehr als genügend Raum für Variationen vorhanden, von innen wirkt er dann noch ein Stück größer als er von außen schon ist.
Direkte Konkurrenten sind dann hier auch der VW Passat Variant, der aktuelle Citroen C5 Tourer und der Ford Mondeo Turnier. Leider muss man sagen, reicht er weder an die Klasse des VW, noch an die monströsen Ausmaße des Ford heran. Auch im Vergleich zum hochmodernen Citröen C 5 "Kombiinstrument" wirkt der Croma eher schlicht, fast schon einfach.
Das Einfache täuscht. Unter der Haube tummeln sich alle nur erdenklichen modernen elektronischen Fahrhilfen und Sicherheitsaustattungen. Der Eindruck des Einfachen wird durch die heute "altertümlich" wirkende Gestaltung der Armaturen und Sitzmöbel hervorgerufen. Es fehlt irgendwie an Flair, man fühlt sich eher wie in einem Nutzfahrzeug. Wer es ambitionierter mag, sollte sich für den Innenraum diverse Schmankerln aus dem Herstellerangebot gönnen.
Aber hier die Fakten:
Der Sitzkomfort ist auf den großen Sesseln gut, diese sind bequem aber leider völlig ohne den nötigen Seitenhalt, fast schon typisch Fiat. Die Stoffe sind robust, wirken aber schlicht. Wer es nobel mag, sollte dann auch hier lieber zum Leder greifen, was den Innenraum des Wagens ungemein aufwertet. Bis auf das Zündschloss in der Mittelkonsole (wie bei Saab) stellt die Bedienung niemand vor Rätsel.
Die tollen Radioeinheiten des Fiat Bravo sucht man im Croma vergeblich. Die verbaute Musikzentrale verströmt den Scharm eines 60er Jahre „Dudelkasten“. Über so was wie Klang, möchte ich mich hier nicht auslassen. Eigentlich nicht mehr Zeitgemäß. Von daher rate ich zum Umrüsten auf eine moderne Musikanlage. Von den sehr teuren Telematikangeboten kann ich nur abraten. Markenhersteller wie Sony, Alpine, Becker und Co. bieten oft für weniger wesentlich mehr und sind leicht via Din-2 Schacht zu verbauen.
Und liebe Leute, was fehlt mal wieder im Fiat massiv? Ablagemöglichkeiten!
Wo bitte schön sollen die lieben Kleinen ihre riesigen 1,5 Liter Colaflaschen verstauen, wie es im VW oder bei den Franzosen immer möglich ist? Im Croma kullern diese dann gerne durch den Wagen. Auch Kartenablagen, Handschuhfach sind eher ein schlechter Witz statt Vergnügen. So auch die Fächer in den Türen, der Autoatlas will sich einfach nicht hineinquetschen lassen. Kleine Verstauräume wie etwa im Citroen sind Fiat ebenso fremd wie großfamilientaugliche Verzurrhilfen im Gepäckraum. Es sind zwar welche verbaut, aber viel zu wenige. Da tröstet auch der Schicht-Modulare Aufbau des Kofferaums wenig. Schade, schade. Zumal das enorm große Gepäckabteil mit 500 Liter Gardemaß und bei umgelegten Rücksitzbänken mit über 1600 Liter Stauraum verwöhnt und die niedrige Ladekante zum Beladen animieren.
Warum noch schade? Denn in Sachen Fahrkomfort und Leistung braucht sich der Croma nicht verstecken. Der von mir gefahrene 1.9er Diesel (Euro 4 mit DPF) mit 150 PS und 320 Nm ist ein alter Bekannter, so wie er schon in vielen Fiat-Mobilen a`la Alfa Romeo, Lancia im Opel und Saab zu finden ist.
Der 1.9er rappelt lediglich im kalten Zustand schon mal heftig, verwöhnt aber warmgefahren mit durchaus durchschlagenden Durchzugswerten und angemessenen Verbrauch sowie der nötigen Laufruhe. Die Werksangaben, konnte ich auch diesmal nicht erreichen, wenngleich ich auch zugeben muss, dies bei lediglich gelegentlichen Fahrten auch objektiv nicht umsetzen zu können. Jedoch muss man sagen, dass der 150 PSer Diesel zwar keine Mühe hat das Auto zu bewegen aber im Vergleich z.B. Alfa 159, wegen des höheren Fahrzeuggewichtes, etwas zäher wirkt.
Die Messwerte (Werk) können sich dennoch sehen lassen, 210 km/h Spitze, von 0-100 km/h in 9,6 sec sowie 6,1 Liter im Drittelmix sind sehr ordentlich für einen 1,6 Tonner!
In meinen Testfahrten (vorwiegend Stadt + Land) lag der Verbrauch bei 8,2 l/100 km (laut Bordcomputer), das ist gerade noch o.k.
Schließlich hat Fiat mit seinen Common Rail Dieseln (zugleich Mit-Erfinder und Patentträger des Prinzipes) den Markt gehörig aufgemischt. Selbst VW hat mittlerweile vom teuer entwickelten Pumpe-Düse Aggregat Abstand genommen und zähneknirschend ebenfalls die stabile Common Rail Plattform für seine Dieselmotoren eingeführt.
Sicherlich wird Fiat demnächst die neueste Entwicklungsstufe, den 2.0er Diesel (Euro 5) mit Leistungen zwischen 160 und 190 PS auch in den Croma einbeziehen, der im Bravo schon einen Kracher-Einstand hingelegt hat.
Das Fahrwerk wirkt im Gegensatz zum „kleineren“ (Standart) Bravo sehr ausgewogen und überaus komfortabel. Hohe Spurtreue und eine sehr schluckfreudige Federung sind für den Croma fast schon ein Novum. Auch die zügige Gangart weiß zu gefallen, wozu der kräftige Motor seinen Anteil beiträgt. Sicher liegt das tolle Fahrverhalten auch an der verbauten aufwendigen Multilenker-Hinterachse. Insoweit ist der Croma das Vorzeigepferd im Stall. Die zurückhaltenden Fahrgeräusche im Verbund mit den bereits erwähnten bequemen Sitzen lassen dann auch ein behagliches Gefühl aufkommen.
Mit dem recht fülligen 62 Liter Tank lassen sich bei gezügelter Fahrweise enorme Distanzen, wie etwa ein Urlaub im Mutterland des Fiat - Anreise am Stück - locker bewältigen.
Sicherheitstechnisch ist alles an Bord, was man sich wünscht, 7 Airbags, Hillholder, Kurvenlichtfunktion, ESP, ASR, ABS und wie sie alle heißen mögen - serienmäßig.
Und so ist es letztlich gerade der Preis, der den Croma zu seinen Konkurrenten interessant werden läßt. Ein cleverer Händler gibt denn dann auch gehörig Rabatt, wenn der Croma auf der Wunschliste steht.
Zum Vergleich den großen Croma kriegt man für (laut Liste) um die 27.000,- €, ein gleichwertig ausgestatteter VW Passat (als 140 PS TDI) kostet dann gerne über 30.000,- €, ganz ähnlich wie Ford Mondeo und Citroen C 5. Gehandelte Neupreise um die 23.000 € sind dann auch keine Seltenheit. Mit dem so gesparten Geld kann man dann auch schon eine ganze Weile lang fahren... und freut sich, wenn man vom schicken aber teuren C5 angehupt wird.
Fazit:
Der nächste Modelwechsel wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen, vielleicht Ende 2010 oder Anfang 2011. Bis dahin kauft man einen großen Straßendampfer mit ordentlichem Komfort und starken Dieseln, ein Auto für die ganze Familie. So was wie Esprit oder gar Luxusambiente sucht man aber vergeblich, dafür kauft man vergleichsweise günstig. Bei dem Preis akzeptiert man auch die eingeschränkte Alltagstauglichkeit – Stichwort fehlende Ablageflächen.